Baroness im Rückspiegel: Die blaue Lagune dschungelte ins Zoro

Baroness, "Blue" (Foto: Baroness)

Baroness, „Blue“ (Foto: Baroness)

Lange ist es her, dass Heavy Metal dermaßen auf verwunschenen Dschungel-Pfaden tappste, wie auf dem jüngsten Album von Baroness. „The Blue Record“ der vier bärtigen Männer aus Georgia ist eine seltsame Fabelwelt aus Seventies, Metalhymnen und Hardcore-Punk-Geschredder. Ein Artikel für die Leipziger Internet Zeitung vom 8. Januar 2010.

Und das konnten Besucher des Leipziger Kultclubs Zoro am 29. Januar erleben. Baroness macht es ähnlich wie ihre erfolgreicheren „Brüder“ und einstigen Labelkollegen von Mastodon. Aufbröckelnde Lied-Burgen wechseln mit direkten Attacken auf die Lauscher ab. Die offen strukturierten Stücke fließen zu einer einzigen Empfindung. Akustikteile verknüpfen schwer, düster schleichende und auch fröhlich hüpfende Lieder. Mal katapultiert man in die Kifferabteilung des Rock’n’Roll, dann in die verschachtelte Siebziger-Prog-Rock-Abteilung, dann wieder in die schwitzig-triefende Achtziger Metal-Klamotte.
Iron Maiden lugt in den Harmonien um die Ecke, Metallica weniger. Dafür fehlt die Präzision. Wohl schon eher die schroffe Gangart eines Motörhead, mit leise dramatisierenden Momenten der Eagles. Dicht gepackt mit melodiösen Soli, unterfüttert mit schweren Riffs.Die Dreiviertelstunde Musik ist aber gefühlte zwanzig Minuten lang. So schnell kommt einem die verträumte, zusammenhanglose Reise vor. Stilistisch nicht leicht fassbar, schafft Baroness ihr eigenes kleines Universum. Der Hörer muss sich erst einmal auf die Musik einlassen, die mal klar und stimmungsvoll in höchsten Sphären schwebt, dann sich wieder tief in den schlammigen Humus von Riffen und Rhythmen gräbt.
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