August Burns Red im Rückspiegel: Amerikanische Metalband brüllt die Wut heraus

Eine Band ließ mit ihrem Drittwerk aufhorchen. Doch jetzt ist das Pulver scheinbar verschossen. Statt der versöhnlichen Melodien von „Constellations“ gibt es geballte Wut auf „Leveler“. Metalcore-Bands wie August Burns Red sind Vorbilder auch für Leipziger Kapellen. Aber ist alles Gold, was aus Amerika kommt? Im Oktober geht es im Rahmen der Eastpak-Antidote-Tournee auch nach Leipzig. Ein Artikel vom 12. Juli 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Auf Zorn getrimmt ist das neue Scheibchen der Amerikaner. Während der Drittling „Constellations“ mit melodiösen Einschüben, Melancholie und Verzweiflung aus dem Wust der seit über zehn Jahren Metalcore-Grippe herausstach, versinkt das Viertwerk wieder im Haifischbecken eines Mix aus klassischem Heavy Metal der Marke Iron Maiden, martialischem Gebrüll tätowierter Schreihälse aus dem Hardcore Punk-Bereich und Punkrock.

Fingerfertig, aber auch substantiell? Dass diese unbändig klingende Mischung kaum auf akustischer Basis funktionieren kann, stellt neben den Metalcore-Ungetümen Unearth auch August Burns Red eindrucksvoll unter Beweis. Verdrehte und zerhackte, heftig pumpende und vor Kraft strotzende Aneinanderreihungen von Tonleitern, Melodien und ein Durcheinander wild trommelnder Takte und teils zu viele Noten.

Akustisch ist diese Mischung kaum darstellbar. Also hämmern fünf Herren aus Lancaster, Pennsylvania ihre christlichen Botschaften in die Köpfe ihrer Anhängerschaft. Das Eckige muss ins Runde, egal wie lange man dafür braucht. Dass die Band Sinn fürs Tragische und die Verzweiflung hat, beweist sie dennoch, wenn die Musiker das Tempo drosseln, ihre Gitarren mit sehnsüchtigen Klängen und vielschichtigen Harmonien aufjaulen lassen.

Dass August Burns Red dann doch etwas mehr kann, zeigt die Band, wenn sie zur Akustik-Klampfe greift und in ihrer Akustikversion von „Internal Cannon“ fast schon sanftmütig daherkommt. Weil ihr Frontmann Jake Luhrs nicht singen kann, lässt er es bei dieser Version lieber bleiben und seine Mitmusiker gleich allein klimpern.

Wie wenig hinter der Musik von August Burns Red steckt, zeigt auch die Pianoversion von „Boys of fall“ von Zachery Veilleux, der außer tröpfelnden Glissandi und in die Tasten gehackten Tonleitern nicht viel hören lässt. Sieht man vom verqueren Remix des wütenden „Empire“ und den paar Akustikversionen ab, bekommen Fans mit „Leveler“ gehörig eins auf die Kopfplatte verabreicht. Aber außer vielen handwerklichen Kunstgriffen, viel Gebrumm und Lautstärke hört der Musikfreund nur wenige wirkliche „Lieder“ auf „Leveler“.

Seelenlose Musik, ohne echtes Gefühl, ständige Backpfeifen. Das ist geradezu symptomatisch für die ach so männliche Metalcore-Welt.

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