Hoffnungslos entflammt: Eine Reise zur Heavy-Metal-Schafweide in Torgau (2)

Dämmerung am Entenfang (Foto: Daniel Thalheim)

Dämmerung am Entenfang (Foto: Daniel Thalheim)

Björn B. wanderte von der Bühne. Kam aber wieder zurück, um beim Abbau zu helfen. Dann sah ich ihn nicht mehr. Stattdessen fand ich mich in einer Runde wieder, die zur Leipziger Band Arranged Chaos gehörte. Inklusive Mädchen. Uwe saß auch im Rund. Gemeinsam betrachteten wir wie bei einem Fernsehprogramm wie sich die Mädchen als Biester entpuppten, sich Jungs zur Feile machten und sich dabei auch gut fühlen wollten. Ich ging wieder. „Bier holen“, sagte ich.

Irgendwann landete ich wahrscheinlich wieder bei den Chaos-Metallern aus Leipzig. Die Erinnerung verwischte zu einem nebligen Brei, in dem angedeutete Szenen einer scheiternden Ehe vor meinem geistigen Auge auftauchten. Mich zog es unter den Klängen einer Death Metal-Band wieder zur Bühne, ich machte aber einen Schwenk rüber zu den Metalheadz. Grillen. Jemand bot mir was an. Ich lehnte ab, weil ich bereits eine zerplatzte Bratwurst vom Büdchen erstand. Hier waren die Frauen gelassener. Mit ihnen entwickelten sich lustige Gespräche und Wortwechsel.

Eine meinte: „Seit Jahren kommen wir hierher und reden den größten Unfug, der aber so lustig ist, dass er eigentlich aufzeichnungswürdig ist.“ Ich entgegnete: „Verdammt! Ich habe mein Aufzeichnungsgerät zuhause liegen gelassen.“ Mir wurde geantwortet, das es schon reiche, wenn jemand mal mitschreibt, was an dem Tisch gesagt wurde. Auch damit konnte ich nicht dienen. Die lockere Runde machte es sich gemütlich und wartete auf Decapitated.

„Letztlich kommt es auf das Drumherum bei diesem Festival an“, erklärte Metalheadz-Pappe bereits vor dem Festival. Er sollte recht behalten. Scheddel-Tino campte bereits eine Woche vor Festivalbeginn auf dem Entenfang. „Es ist hier einfach idyllisch. Frühmorgens wird man von den herein trabenden Schafen geweckt, abends zur Dämmerung hoppeln hier die Kaninchen herum“, schilderte er mit einem Ausdruck von Freude, Entspannung und Gelassenheit zugleich. Jemand stellte einen Recorder auf den Tisch. Neben dem Gebrülle von der Bühne, brüllte es zusätzlich aus dem Plastebomber. Damit war jegliche Ruhe irgendwie gestört. Ich stellte ihn wieder aus. Niemand schien sich daran zu stören. Ich ging zur Bühne. Dort traf ich alte Bekannte wieder. Leute vom Leipzig-Ruhrpott-Magazin „Bloodchamber“. Mein Bäuchlein wurde bewundert. Freundlichkeiten wurden ausgetauscht. Dann befand ich mich in einer anderen geselligen Runde wieder aus noch älteren Bekannten, mit denen man bereits 1991 und 1992 bei den Anfängen des „Hellraiser“-Vereins Bierchen trank. Die Zeit verging wie im Flug.

Ich fotografierte die Dämmerung, die rosa-lila über den Entenfang herab sank. Decapitated spielte bereits. Unter großem Applaus natürlich. Bis in die frühe Nacht sollte der todesmetallische Reigen dauern. Lediglich unterbrochen von der Ozzy-Performance von Ozzmosis. Dabei fragte ich mich, warum die Band nicht die Phase aufleben ließ, als Ozzy noch halbwegs fit war? So zwischen 1980 bis 1995. Immerhin sah ich den Mann 1995 in Prag und konnte Ozzy am Bildschirm bereits 1989 beim Zweiten Deutschen Fernsehen anschauen. Damals war er noch nicht der trottelige Trampel, der hilflos über die Bühnen der Welt stolperte wie ein Alki auf dem Weg zum nächsten Späti.

Aber irgendwie gaben sich alle der Illusion hin, vorn würde die echte Ozzy-Band spielen und freuten sich als „Paranoid“ als Zugabe erklang. Es ist der Spaß der zählt. Nur nicht alles so ernst nehmen. Und irgendwie vermisste ich bei dem Hauptact Obituary die Leadgitarre. Stattdessen walzte ein Akkord im Schweinegalopp den anderen auf die Besucher nieder, die außer sich vor Freude waren. Ich trollte mich müde und enttäuscht in mein Zelt und stopfte mir Ohrstöpsel in meine Lauscher. Geholfen hat es nicht viel. An der Froschkotze-Bar wurde bis in die frühen Morgenstunden weiter gefeiert. Ich wollte aber noch meine Akkus nicht komplett aufbrauchen. Für mich war der erste Abend herum.

Wird fortgesetzt…

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