With Full Force und Soulfly im Rückspiegel: In Amerika ist es größer, fetter, krasser – Marc Rizzo von “Soulfly“ im Interview

Gitarrengott aus Amerika: Marc Rizzo von Soulfly (Foto: Daniel Thalheim)
Gitarrengott aus Amerika: Marc Rizzo von Soulfly (Foto: Daniel Thalheim)

Die brasilianisch-amerikanische Metal-Band “Soulfly“ um den ehemaligen Frontmann Max Cavalera von der brasilianischen Metal-Legende “Sepultura“ gilt als eine der erfolgreichsten und bekanntesten Gruppen im Schwermetall-Bereich. Ein Artikel vom 19. Juli für die Leipziger Internet Zeitung.

“Soulfly“ vermischt Hardcore Punk beeinflussten Thrash Metal mit Folklore-Elementen aus aller Welt. Dazu gehören südamerikanische Elemente wie Flamenco, indianische Instrumente oder wie zuletzt auf “Conquer“ (2008 veröffentlicht) nordafrikanische Folklore. Hohe Charteinstiege beweisen, dass “Soulfly“ mit ihren gesellschaftskritischen Texten und ihrer musikalischen Machart äußerst populär sind.

Marc Rizzo ist 1977 in New Jersey (USA) geboren und aufgewachsen. Vor seinem Einstieg bei “Soulfly“ spielte er bei der amerikanischen Metalband “Ill Niño“ und veröffentlicht seit 2006 Solo-Alben, wo er seinem letzten Album “The Ultimate Devotion“ südamerikanische Rhythmen wie feurigen Flamenco auf Akustik-Gitarre spielt. Rizzo wirkte 2008 auch auf dem Album “Inflicted“ von “Cavalera Conspiracy“ mit. Ein Projekt des “Soulfly“ Frontmanns Max Cavalera und seines Bruders Igor Cavalera, ehemaliger Schlagzeuger und Gründungsmitglied von “Sepultura“. Nachdem sie im Herbst 2008 die Clubs ausgiebig bedienten bestritten “Soulfly“ eine kurze Festivaltour in Europa, die am 17. Juli in Norwegen endete. Auf dem With Full Force hatte Daniel Thalheim Gelegenheit mit Marc Rizzo zu sprechen.

Hallo Marc, wie geht es dir heute?

Danke sehr gut. Es ist unser erstes Festival in diesem Jahr und deswegen sind wir noch sehr ausgeruht. Wir sind mit dem Bus hier angekommen und genießen es hier sehr. Für ein paar Tage ist so eine Busfahrt ganz okay, aber dann fehlt einfach der Schlaf.

Wenn du so oft tourst, dann bist du oft mit der Band in einem Bus eingepfercht und verbringen viel Zeit miteinander. Was unternimmst du außer Musik machen noch mit “Soulfly“?

Wir sind oft zusammen und haben eine Menge Spaß. In “Day Offs“ (auftrittsfreie Tage) gehen wir oft in gute Restaurants und lassen es uns richtig gut gehen, viel Musik hören und so.

Was für Musik hörst du im Bus?

Alles, was der iPod zu bieten hat.

Kennst du das neue Album von “Mastodon“? Jeder hat es und ist begeistert was sie jetzt machen. Interessiert dich so etwas?

Nein, kenne ich noch nicht. Habe es noch nicht gehört, aber ich werde es mal antesten. “Mastodon“ ist eine großartige Band und ich kenne ihre letzten Alben. Ich werde mir auf jeden Fall das neue Album besorgen.

Magst du das With Full Force?

Ja sehr, es ist großartig hier zu spielen. Wir sind sehr oft hier. Wir mögen neben dem Auftritt vor allem das Catering, die Fans, das ganze Drumherum, andere Gruppen treffen und so. Besonders ich mag das europäische Essen und den Kaffee. Bier hingegen trinke ich nicht soviel. Denn Alkohol gehört nicht zu meiner Lebensweise als Sportler. Aber dafür bin ich ein Kaffeetrinker. With Full Force ist eins meiner Favoriten. Es gibt hier eine echt coole Mischung aus Metal- und Hardcore Punk-Gruppen. Ich stecke irgendwo in der Mitte, weil ich beide Musikstile sehr mag.

Mir ist bei eurem letzten Auftritt im Herbst 2008 in Leipzig aufgefallen, dass irgendwie schon Routine drin war. Würdest du das genauso sehen, dass sich mit der Zeit die Routine einschleicht?

Klar, kommt vor, wenn man so viel tourt wie wir.

Was macht ihr dagegen?

Naja, wir verändern jede Nacht unsere Setlist. Jede Show ist anders zu der wir vorher gespielt hatten. Das ist dann wirklich spontan. Jede Stadt bekommt von uns eine andere Setlist.

Wenn ihr schon hier seid, schaut ihr euch auch die Auftritte der anderen Künstler an?

“God Forbid“ war großartig. Ich bin ein großer Fan von dieser Band. Angenehme Typen. Ansonsten freue ich mich “Carcass“, ebenso “Vader“ und “Pestilence“. Das sind so meine Favoriten, die ich live sehen möchte. Es gibt noch mehr, aber man kann nicht alles haben.

Ihr ward schon im Herbst 2008 in Deutschland auf Clubtour. Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied von Auftritten in Clubs zu Festivals?

Ja, wir haben in Deutschland unser neues Album bereits in den Clubs vorgestellt. Jetzt sind die Festivals dran. Ich mag eigentlich beides. Natürlich sind Festivals größer, mehr Leute sind da und für uns liegen die Termine nicht so nah beieinander, so dass es ziemlich entspannt ist auf Festivals zu sein. Club-Auftritte mag ich, weil man den Fans näher ist.

“Soulflys“ letztes Album heißt “Conquer“. Was ist eigentlich mit dem Titel gemeint?

Ui, das ist Max‘ (Cavalera, Bandbegründer und Textschreiber, Anm. d. Verf.) Baustelle. Dazu kann ich nicht viel sagen, außer das es sich ums “Erobern“ dreht (lacht). In allen möglichen Facetten und was damit zusammenhängt. Irgendwie ist auch eine Tour eine Art des Eroberns.

Was machst du eigentlich, wenn du vom Erobern zurück kommst? Zuhause und so…

Jede Menge Sport. Und viel Musik. Ich spiele jede Menge Gitarre, was mir richtig Spaß macht. Dazu gehört auch, das alles aufzunehmen, was ich spiele. Sportlich mache ich “Straight Up Boxing“ mit 155 bis 165 Pfund. Das ist noch in der Mittelgewichtklasse. “Welterweight“ (eine Gewichtsklasse zwischen Leichtgewicht und Mittelgewicht, kommt aus dem Kickboxen, Anm. d. Verf.). Es ist aber nur ein Hobby. Oder ich gehe ins Studio und nehme mein Solo-Album auf. Dann gehe ich auf Tour, die Ostküste hoch und runter. Ich habe eine Menge Shows, die ich zu spielen habe.

Hast du eine Familie?

Ja, aber keine Kinder.

Benutzt du gewisse Kniffe auch auf der Bühne, hilft Ihnen Sport auf der Bühne durchzuhalten?

Boxtechniken benutze ich auf der Bühne nicht. Wenn Du das Herumspringen von mir meinst, muss ich sagen, dass ich in New York/New Jersey aufgewachsen bin. Dort gehört es zur Szene, zur Show wenn man “Slamdancing“ macht (eine Art Schubsen Springen um sich herum schlagen bei der Musik, stammt aus der Hardcore-Punk-Szene, Anm. d. Verf.)

Du hast bei Ill Nino gespielt, arbeitest solo, sowie für “Soulfly“ und “Cavalera Conspiracy“. Kannst du mir den Unterschied von “Soulfly“ zu “Cavalera Conspiracy“ erklären?

Also bei “Cavalera Conspiracy“ geht es mehr in den Spirit von Max und Igor (Cavalera), als sie noch bei “Sepultura“ gespielt haben. Man hat dort mehr den alten Thrash Metal-Vibe, als beispielsweise bei “Soulfly“. “Soulfly“ geht in eine abwechslungsreichere Richtung. Hier vermischen sich verschiedene Stile. “Cavalera Conspiracy“ geht mehr auf die Glocke, ganz klar und direkt.

Auf deinen Solo-Alben gehst du ganz anders vor. Neben Thrash-Instrumentals hast du sehr viele südamerikanische Einflüsse dabei. Weshalb ist das so?

Ja, ich mag einfach diese Flamenco-Geschichten. Davon bin ich stark beeinflusst. Dazu gehört überhaupt lateinamerikanische Musik.

Bald wird von dir ein neues Album veröffentlicht?

Ja, mein nächstes Solo-Album wird 2010 erscheinen. Ich bin so beschäftigt mit “Soulfly“, dass es nicht eher geht. Für das Solo-Album muss ich noch einiges tun. Ich liebe es, live zu spielen. Zwar werde ich nicht jetzt meine Solo-Tour hier in Europa machen, aber ich hoffe inständigst, dass das zum nächsten Album 2010 endlich klappt. Bei meinen Solo-Sachen habe ich mehr den Flamenco-Touch drin, und bei den elektrischen Gitarren dort geht es mehr in Richtung “Dream Theater“ und “Cynic“ (amerikanische Progressive Metal Bands, Anm. d. Verf.).

Zum Abschluss habe ich noch eine Frage, die gut zum Festival passt. Wie lange hörst du schon Metal?

(Überlegt) Seitdem ich Gitarre spiele und acht Jahre alt war. Das ist mittlerweile schon 23 Jahre her.

Das ist eine lange Zeit. Welche Lieblingsbands hattest du damals?

Old Eighties Thrash Metal, wie Slayer, Megadeth, Metallica. Anthrax, und noch viel mehr.

Ich bin in der DDR mit Metal aufgewachsen. Das war ein deutscher Staat mit einem sozialistischen Regime, so in etwa wie damals in Brasilien nur dass dort es richtig totalitär zuging mit der Militärdiktatur. Ich habe gelesen, dass die dortigen Fans Metal mit Freiheit und Demokratie gleichsetzen, eine Art Lebensweise. Würden Sie das aus Ihrer Warte auch so sehen?

Ja, natürlich Für mich ist aber Hardcore Punk mehr Lifestyle als Metal. Aber es ist eh‘ fast dasselbe. (begeistert) Es geht einfach um wilde Musik. Diese Musik spricht überall dieselbe Sprache, wird von allen verstanden. Das kann auch ins politische gehen. Wir waren in einer Menge solcher Länder, wie Russland und verschiedenen südamerikanischen Staaten. Die Musik wirkt einfach großartig auf die Kids. Für sie bedeutet das Hoffnung und wenn sie zur Show kommen, bedeutet das für sie eine gute Zeit.

Siehst du dann auch die Reaktionen der Fans?

Ja! Wir waren in so vielen Ländern, wo wir so viele Kids gesehen haben. Es ist so verrückt, was da immer abgeht.

Was kannst dann zu den verschiedenen Ländern sagen? Wie rasten die Fans weltweit aus?

In Amerika ist alles weitaus zerstörerischer als hier in Europa. Komm nach New York und du erlebst die durchgedrehteste Crowd überhaupt. In Amerika ist es überhaupt größer, fetter, krasser. Ich weiß nicht woran das liegt.

Dann viel Erfolg für die Festivalauftritte und auf bald vielleicht mal bei deiner Solo-Tour. Viel Glück!

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