Wir leben in einer materialistischen Welt: Negru von der rumänischen Band „Negura Bunget“ im Interview

Heavy Metal aus Rumänien? Musiker fördern in Gesprächen immer wieder Dinge zu Tage, die auch existentielle Bedeutung haben. Unabhängig von der jeweiligen Ausdrucksform und ebenso vom Zeitgeist. Negru von Negura Bunget gehört zu denen und er kommt mit seiner Band nach Sachsen. Ein Artikel vom 17. März 2010 für die Leipziger Internet Zeitung.

2010 ist für die rumänische Formation „Negura Bunget“ ein wichtiges Jahr. Nach einer schwierigen Trennung von zwei langjährigen Mitgliedern und einem Einstieg von fünf neuen Musikern, zwei Alben im März und einer anstehenden Tour wird das Bild dieses Exoten in der europäischen Rockszene verändert sein.

Der 1975 im rumänischen Timisoara geborene Musiker spricht im folgenden Interview über die Trennung seiner langjährigen Mitstreiter Sol’Faur und Hupogrammus, die im März erscheinenden Alben „Maiestrit“ und „Vîrstele Pămîntului“ sowie über die verlorene Spiritualität in unserer materialistischen Welt. Die 1995 gegründete Gruppe hatte mit ihrem 2006 erschienen Album „Om“ europaweit Achtungserfolge feiern können.

Nicht zuletzt wegen des stimmungsvollen Klangs ihrer Epen, sondern auch das Verwenden folkloristischer Instrumenten, den in ihrer Heimatsprache rumänisch gesungenen Texten haben Negura Bunget hierzulande viele Anhänger gefunden.

Auch ihre Live-Shows gelten als unvergessliche Erlebnisse, weil die Gruppe um Schlagzeuger Negru mit Gastmusikern auftritt, die alle Folk-Instrumente live spielen.

„Maiestrit“ wird am 15. März veröffentlicht. Es heißt, es sei komplett neu eingespielt worden. Damit ist es nicht nur eine normale Wiederveröffentlichung. Warum habt ihr das Werk noch einmal vorgenommen?


Mit dem Original aus dem Jahr 2000 waren wir nie zufrieden. Wir hatten immer den Eindruck, dass man mit der Musik von „Maiastru Sfetnic“ viel mehr ausdrücken kann. Diesen Gedanken, es neu einzuspielen trugen wir schon seit der damaligen Veröffentlichung mit uns herum. Nun haben wir es endlich umsetzen können.

Was ist der größte Unterschied zwischen „Maiestrit“ und „Maiastru Sfetnic“?

Es ist wichtig, die Unterschiede zu den beiden Alben zu sehen. „Maiestrit“ ist für uns wie ein neues Album zu verstehen als nur eine einfache Neuaufnahme. Zwar sind die Grundstrukturen der einzelnen Stücke über die Jahre erhalten geblieben, aber die Arrangements, Interpretation und Aufnahme sind ganz anders geraten. So ist auch das Resultat völlig anders geworden als damals 2000.

Warum haben Sol’Faur und Hupogrammos die Band verlassen? Immerhin ist „Maiestrit“ ein gemeinsames Werk.

Das ist eine wirklich verzwickte Situation gewesen. 15 Jahre gemeinsames Arbeiten hat uns durch die verschiedensten Situationen geführt, da häufen sich auch negative Dinge an. Ich denke, dass es zu viel war um vernünftig damit umzugehen. Wir waren mit „Maiestrit“ zur Häfte fertig, als Hupogrammos und Sol’Faur die Gruppe verließen. Aber wir haben es dennoch gemeinsam hinbekommen, das Album fertig zu stellen. Ich denke, „Maiestrit“ bewahrt den Geist unserer alten Konstellation als Dreierbesetzung aber auch den unseres Urheberalbums „Maiastru Sfetnic“. Nur die Umstände, in denen „Maiestrit“ entstand, waren ein wenig … nun ja, seltsam.

Trefft ihr euch noch?

Ich habe mit ihnen keine Probleme. Ich weiß aber nicht, ob die beiden eines mit mir haben. Aber wir treffen uns momentan nicht.

Reden wir über den Titel „Vîrstele Pămîntului“. Was hat es mit diesem Namen auf sich, ein neues Album?

„Vîrstele Pămîntului“ ist ein komplett neues Album geworden. Es ist in der neuen Besetzung aufgenommen worden. Es wird am 26. März über das Label Code 666 erscheinen, „Maiestrit“ hingegen erscheint über Prophecy Productions am 15. März. „Vîrstele Pămîntului“ wird auch völlig anders als „Maiestrit“ klingen.

Was kannst du über den Klang von „Vîrstele Pămîntului“ schon verraten?

Nun ja, ich denke, dass jeder sich das Album anhören sollte, bevor er sich dafür oder dagegen entscheidet. Für uns ist „Vîrstele Pămîntului“ die konsequente Fortsetzung unseres letzten Albums „Om“. Vielleicht werden die folkloristischen Bestandteile wesentlich mehr Raum einnehmen. Aber es wird auch richtig rau zugehen. Diesmal haben wir wieder eine Menge alter und folkloristischer Instrumente verwendet. Einige von ihnen haben wir niemals zuvor gespielt. Alles in allem ist „Vîrstele Pămîntului“ ein weiterer evolutionärer Schritt nach vorne in unserer Entwicklung.

Das neue Album ist ein Werk über Plätze auf unserer Erde und Räume in unserem Spirit. Es ist ein Album über grenzüberschreitende Welten. Die Arbeit an „Vîrstele Pămîntului“ wurde in der Abgeschiedenheit der Berge abgeschlossen. Dort haben wir uns gänzlich auf das Album konzentriert. Ende März wird es in einer streng limitierten Holzbox erscheinen, die handgearbeitet ist. Gefüllt und prall mit der Erde, woher das Album stammt.

Auf euren letzten Tourneen haben sie ausschließlich den Fokus auf ihr letztes Album „Om“ gelegt. Könnt ihr euch vorstellen künftig nach der Veröffentlichung der beiden Alben im März auch ganz alte Songs zu spielen, wird euer Live-Set abwechslungsreicher?

Wir werden natürlich eine völlig andere Liedzusammenstellung auf unserer kommenden Tour haben. Ganz klar, dass wir den Schwerpunkt auf die beiden neuen Veröffentlichungen legen werden. Ein paar alte Stücke werden auch berücksichtigt. Es ist für uns aber auch schwierig, aus jeder Phase einen Song zu berücksichtigen. Denn wir schreiben auch keine Dreiminutenstücke. Wenn wir nur ein Stück aus unserem Album „N crugu bradului“ spielen würden, bräuchte der auch mindestens zwölf Minuten Raum. Wir versuchen aber, aus jeder Phase etwas unterzubekommen.

Ich sehe gerade, dass noch nicht alle Tourdaten für ihre Tour im Mai bestätigt sind. Wo bevorzugt ihr es live zu spielen?

Wir mögen es, so viel wie möglich auf der Bühne zu stehen. Deswegen gehen wir auch extrem oft auf Gastspielreise. Inzwischen wurden einige Auftrittsorte im Mai bestätigt, mehr wird bald folgen. Aber wir genießen es immer, wenn wir nach Ostdeutschland kommen. Vor allem in Thüringen sind wir am liebsten. Für unsere Tour werden wir natürlich auch in Ostdeutschland unseren Schwerpunkt legen.

Könnte nicht auch Leipzig eine Station eurer Tournee sein?

Nun ja, unsere Tournee ist um Pfingsten herum. WGT-Zeit eben bei euch. Es wird uns also nicht möglich sein, bei euch einen Auftritt hinzulegen. Ich muss befürchten, dass wir dieses Jahr Leipzig vom Plan nehmen müssen. Aber wir werden in der Nähe spielen, in Dresden beispielsweise.

Mit wem geht ihr auf Tour?

Während unserer Reise haben wir unterschiedliche Gruppen dabei. Da ist beispielsweise „Fen“ aus England, „The Stone“ von Serbien, „Damned Spirit’s Dance und „Neochrome“ aus Ungarn …

Wie viele Bandmitglieder umfasst jetzt eigentlich Negura Bunget?

Insgesamt sind wir sechs. Touren ist keine einfache Aufgabe. Du musst sicher stellen, dass jeder überall hundertprozentig bei der Sache ist, sonst wird das nichts. Ganz egal ob man 1.000 Kilometer lang nicht geschlafen hat und beim Auftrittsort nur zehn Leute da sind.

Ich möchte gerne eine kleine Geschichte nachfragen, die heikel ist. Warum ist 2008 eure Band in Frankreich und Spanien mit Vorwürfen konfrontiert worden, ihr seid Ultra-Nationalisten?

Ich habe echt keine Ahnung, wer so was behauptet hat und wie das passiert ist. Ich rate mal, dass uns jemand verletzen will auf einer ganz persönlichen Ebene. Wir hatten und haben nie politische Inhalte mit Negura Bunget transportiert. Das werden wir auch nie tun. Unsere Interessen sind ausschließlich spiritueller Art, niemals politischer. Mythologie, Esoterik, Folklore interessiert uns.

Denkt ihr, dass die Menschen ihre Spiritualität verloren haben, was dann der Grund ist, warum sie ihre Umwelt zerstören? 

Zeiten ändern sich … manchmal zum guten, manchmal zum schlechten. Evolution ist keine schlechte Sache. Natürlich ist es traurig, sich mit ansehen zu müssen, dass viele Leute völlig verloren in der modernen Welt sind. Sie haben kein spirituelles Leben mehr, keine Naturverbundenheit mehr, nichts außer ihr materielles Leben. Dann ist es auch kein Wunder, wenn alles den Bach runtergeht. Man muss sich eben bewusst sein, was auf der Welt los, was die eigene Bestimmung ist, damit man mit dem Universum im Einklang ist.

Ich wünschte, es würden mehr diesen Pfad einschlagen. Er ist zwar kein strikter Weg, aber man kann sich wirklich bewusst werden, wer man eigentlich ist.

Was können Menschen tun, um ihre Umwelt zu schützen?

Ich denke, dass jede Person sein eigenes Leben, Interessen und Entwicklung hat. Wenn es deine Bestimmung ist, die Natur zu beschützen, dann wird es dich bereichern. Alles wird seinen natürlichen Lauf nehmen. Aber im heutigen Umweltschutz gibt es auch jede Menge Schwindler und Nutznießer.

Ich danke dir für das Interview. Ich bin jedenfalls durchaus auf die neue Veröffentlichungen gespannt, sowie die kommenden Auftritte. Besonders auf den Einsatz des langen Alphorns.

Ich danke Dir auch für deine Unterstützung. 2010 ist in der Tat ein wichtiges Jahr für uns mit unseren Alben und der Tour.

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