Soulfly im Rückspiegel: Gutes oder schlechtes „Omen“ spaltet die Meinung der Fans

Sie sind beliebt, vertraut und immer auf Tour. Soulfly starteten Ende der Neunziger mit einem Mix aus Weltmusik, hartem Heavy Metal und viel Experiment. In den letzten fünf Jahren entwickelt sich der Vierer zu einer böse brummenden Thrash Metal-Band, bei der die viel gerühmten Ethno-Klänge immer weniger zum Zuge kommen. Ein Artikel vom 14. September 2010 für die Leipziger Internet Zeitung.

Ist das gut oder schlecht für eine Band, die entgegen gesetzte Entwicklung einzuschlagen? Während verschiedene Bands immer progresssiver werden, von Album zu Album auch mal experimentieren, starteten Soulfly als Experiment und gehen seit fünf Jahren und drei Alben den entgegen gesetzten Weg. Da wird’s schon mal politisch in den Foren.

Da spalten sich die Fans mit ihren Meinungen in mehrere Lager auf. Es gibt Liebhaber der ersten Alben, die vor dem Genuss des neuen Werkes „Omen“ warnen, andere sehen die Band in einer Sackgasse, wiederum andere verkünden das erfolgreiche Wurzelsuchen („Back To The Roots“) ihrer Lieblings-Dreadlocke Max Cavalera in seiner eigenen Geschichte.

Besagter Frontmann fing mit seiner Dschungelcombo Sepultura Mitte der Achtziger mit recht unsanft prügelndem Heavy Metal an. Der Familienvater feierte mit dieser Band Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre mit Alben wie „Arise“, „Chaos A.D.“ und „Roots“ seine größten Erfolge, konnte mit seinem Nachfolgeprojekt Soulfly diesen Erfolg sogar fortsetzen, festigen und vielleicht auch steigern. Wohingegen Sepultura in den letzten Jahren immer mehr in die Versenkung der Beliebigkeit versinken.

Droht das auch nun Soulfly, die ihre charakteristischen Wiedererkennungs-Marken wie das „Tribal-Drumming“ genannte wilde und treibende Dschungel-Trommeln und stets eingesetzte folkloristische Instrumente aus Afrika und Südamerika abstreifen?

Dagegen werden die Stücke kürzer, verheißen nicht mehr das bunte Treiben durch die Welt der Ethnien, sondern ballen sich zu brachialen Überfällen, die einen hörbar überrollen sollen. Darunter leidet natürlich die Abwechslung. Auch wenn hier und da der Dschungel in „Off With Their Heads“ auftaucht, oder im besinnlichen „Soulfly VII“.

Mit „Omen“ hört der junge und auch etwas betagtere Musikfreund heftige Stücke mit einer pfeffrigen Prise aus dem aberwitzig gespielten Repertoire des Gitarristen Marc Rizzo, der mit seinem pfeilschnellen Spiel alle Lücken schließt.

Die Band bläst mit Songs wie „Vulture Culture“ zum goßen Halali, das scheinbar nicht enden will. Erst mit „Soulfly VII“ packt Marc Rizzo die Klampfe sanfter an, lässt Fans vielleicht auf ein vielschichtigeres Werk blicken oder auf seine Solo-Alben, wo sich der Gitarrenhexer genauso virtuos austobt wie bei Soulfly.

Die Ausflüge in die Weltmusik sind mit „Omen“ passé, mit Gastmusikern spielt Max Cavalera dagegen immer noch sehr gern. So schreit-singt Greg Puciato von der im Quadrat springenden Hardcore-Punk-Band The Dillinger Escape Plan bei „On Rise Of The Fallen“ im Wettstreit mit „Brüllwürfel“ Cavalera. Gemeinsam mit Tommy Victor von den industriellen Hardcore-Metal-Lärmern Prong bringt er mit „Lethal Injection“ das Boot brutal zum Schaukeln.

Cavaleras Familie trägt das „Omen“ mit. Songs wie der von Sohn Zyon mit eingespielte Sepultura-Hit „Refuse/Resist“ oder das von Bruder Iggor getrommelte „Your Life, My Life“ runden als Bonustracks den Silberling ab. Bei einer speziellen Edition gibt es sogar den kompletten Auftritt Soulflys beim Festival „With Full Force 2009“.

„Omen“ spaltet tatsächlich, denn hier geht Soulfly bis an die Wand, vollendet den mit „Dark Ages“ eingeschlagenen Weg in die immer härtere Schiene. Man kann das „Back To The Roots“ nennen, oder es als rückständig bezeichnen. Tatsache ist aber, dass der Weg von Soulfly seit dem Werk „Prophecy“ auch der Weg von Marc Rizzo ist. Sein Spiel beeinflusst offenbar das Songwriting von Max Cavalera entscheidend, so dass die Stücke eher gebündelt wirken, als dass sie auseinander laufen.

Ob das virtuose Dauerfeuer wirklich innovativ ist, wird sich erst mit dem Folgewerk zeigen. Bis jetzt haben Soulfly bewiesen, dass sie keineswegs in die Sackgasse rennen und sich nicht wiederholen. Allerdings läuft die Band Gefahr tatsächlich bedeutungslos zu werden, wenn sie den eingeschlagenen Weg fortsetzt. Der alte Faden der Weltmusik-Klänge fehlt irgendwie doch. Die Band muss sich einiges einfallen lassen, um sich nichts ins Abseits zu spielen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s