Gruselige Stimmungsmusik: Prophecy Production stellt Haus-Kapellen mit einem Sampler vor

Passend zur dunklen Jahreszeit wird’s auch im Albenregal geheimnisvoll und gruselig. Nicht nur die Kälte jagt Gänsehaut über den Rücken. Musik vermag es auch wohlige Schauer zu verursachen. In der Jahreszeit, wo man besonders genau hinhört, wenn die Türen quietschen, Balken knarren, sich die Natur in die Stille zurück zieht, dann sucht man den passenden Soundtrack für die gepflegte Stimmungsmalerei in Moll.

Für wen sind die Nachtgesänge gedacht, die auf dem über anderthalbstündigen Werk zu hören sind? Sicher Freunde der metallischen Klänge mit Sinn für einsame Spaziergänge durch die unberührte und wilde Natur werden ihre Freude an den kammermusikalischen Stücken haben.

21 Kapellen und Künstler öffnen die schwere Tür zum dunklen Hinterzimmer der in Moll vertonten Musik und kramen in ihren alten Kisten. Um dabei für den Musikfreund Klänge hervor zu holen, die einem zwar nicht das Fürchten lehren, aber das berühmte Kopfkino anschalten. So lodern bei dem Projekt Syven die akustischen Flammen aus dröhnenden Trommeln, in der Ferne zirpende Akustik-Gitarren, tiefem und hymnischen Gesang und Rabengeschrei bei ihrer Frage „How Fare The Gods?“

Illustre Namen des süddeutschen Plattenlabels am Bodensee geben sich auf dem Sampler ihr Stelldichein. So lassen die Ulver (norwegisch für Wölfe, Anm. d. Red.) die Klänge der Renaissance in dem Lied „Synen“ erklingen. Da klingt die Konzertgitarre italienisch, paart sich mit dem heroischen Gesang von Kristoffer Rigg.

Ebenso verträumt ertönen aus der Ferne ganz lyrisch die beiden instrumental vorgetragenen Lieder von Vàli, Nucleus Torn besingen sanft die „Krähenkönigin“, Tenhi halten es lieber mit einer gehauchten Ode an „Kausienranta“. Fast schon in klassischer Weise erklingen die beinahe stillen und in sich versunkenen Intonationen, Hymnen an die Nacht in der der Mond auf dem Albumcover von einer jungen Frau angeträumt wird.

Bemooste Baumstämme, schwere Äste und raschelndes Laub – kein geringerer als Les Discrets-Mastermind und Alcest-Bassist Fursy Teyssier hat seine Finger im Spiel, wenn es um die Albumgestaltung geht. Und wie aus einem entrückten Traum verzaubert „5 montee des epies“ mit seinem schwermütigen Klang aus der Feder von Teyssier, der unter dem Namen Les Discrets ein noch unveröffentlichten und recht kurzen Beitrag für den Sampler leistet.

„Apres l’ombre“ heißt ihr längerer Song, der ebenfalls wie für den Sampler extra zu geschrieben sein scheint. Auch er wischt das Sonnenlicht aus dem Gesicht und lenkt den Blick konsequent Richtung einer monlichtbeschienenen Waldlichtung.

Das folkloristische Leipziger Akustik-Ensemble Neun Welten sind mit „Pan“ ebenso vertreten wie Nebelung mit einer mittelalterlich anmutenden Ballade „Ich würd es hören“. Havnatt und Empyrium – mit einem ersten Lebenszeichen seit Jahren – schreiten zum einen verspielt, zum anderen majestätisch durch die Nacht.

Wüstes Durcheinander würde man erwarten, wenn man die Bands im Zusammenhang mit dem lärmenden Baumaschinenkrach des Heavy Metal in vielen Genre-Magazinen stehen sieht. Sie arbeiten auf diesem Sampler allesamt auf der leisen Ebene, nehmen den Zuhörer in ihre mystische Welt, zeigen springende Elfen, langbärtige Urwaldbäume, vielerlei krabbelndes Gekräuch und Gefleuch. Wesen der Nacht, längst vergangene nie niedergeschriebene, allenfalls gedachte und vielleicht gelebte Mythen bevölkern den verträumten Langspieler.

Nachtschattengewächse werden hier wieder die Entdeckung machen, wie vielfältig und herbstlich bunt die Vertreter der „Eerie Emotional Music“ aus dem Hause Prophecy klingen.

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