Devildriver im Rückspiegel: Frisch aus Kalifornien im Hellraiser

Die kalifornische Metalband „DevilDriver“ fasst langsam auch in Europa Fuß. Seit vier Alben und knapp zehn Jahren arbeiten die Rocker um Frontmann Dez Fafara hart für ihren Erfolg. Nun sind sie nach ihrem Festivalabstecher With Full Force wieder in Deutschland. Diesmal heißt das Tourmotto „Neckbreakers Ball“ heute Abend im Hellraiser. Ein Artikel vom 14. November 2009 für die Leipziger Internet Zeitung.

Ich traf den Gitarristen Jeff Kendrick sowie den Bassisten Jon Miller bereits beim With Full Force 2010. Sie erzählen über ihr neues Album „Pray For Villains“ und ihre Heimat in Kalifornien.

Ihr habt auf dem With Full Force gespielt, wie war die Show für euch?

Miller: Brillant! Wir sind auch nicht zum ersten Mal hier. Deutschlandist neben England für „DevilDriver“ das beste, was uns über den Weglaufen kann. Ich denke, die Deutschen lieben „DevilDriver“ wirklich.Wir sind seit einem Monat auf Tour. Dabei haben wir eine MengeFestivals mitgenommen, wie das „Download“, „Graspop“ und so. DieReaktionen sind überall die gleichen. Eben großartig. Aber jeder Tagist doch irgendwie anders. Und irgendwie zieht es uns immer zum Force,weil hier Organisation und Catering stimmen.

Was war das Beste bis auf dem Force?

Kendrick: Ich sah hier auf dem Force die Leipziger Gruppe „Myra“. Ichglaube, die hatten hier ihr größtes Publikum überhaupt in ihrerKarriere. Ich fand die richtig gut.

Mit welcher Musik seid ihr aufgewachsen?

Miller: Das übliche Zeug, wie Metallica, Anthrax, Slayer und Machine Head und all den großen Thrash Bands, die es heute noch gibt wie Testament, Megadeth und so was.

„Pray For Villains“ heißt das neue Album. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Miller: Hauptsächlich haben wir uns von den New Western beeinflussen lassen, wie „Erbarmungslos“ von Clint Eastwood. Also die Rächergeschichten vom guten und von den schlechten Cowboys. Aber auch die Guten haben ihre dunklen Seiten. Das wollen wir zeigen und haben alles ein wenig auf die heutige Zeit gemünzt.

Was ist der größte Unterschied von „Pray To Villains“ zu „Last Kind Of Words“, eurem letzten Album?

Miller: Wirklich schwierige Frage. Der größte Unterschied ist wohl der, dass wir trotz höherer Brutalität auch vielmehr eingängigere Songs auf dem Album haben. Wir sind aber auch technischer geworden, ohne dass es allzu offensichtlich ist. Unsere Produktion ist auch etwas roher geraten als beim letzten Album. „Fate Stepped In“ ist überhaupt einer der besten Songs, die wir geschrieben haben. Der größte Unterschied ist aber der Abwechslungsreichtum auf dem neuen Album, auch im Gesang.

Kendrick: Auf „Villains“ ist mehr Wucht, manches ist irgendwie trotz seiner Langsamkeit viel mehr nach vorne als wenn man nur schnell spielt. Das kann man auch hören.

„Fate Stepped In“ hat einen wundervollen Rock-Groove. Wie sehen sie das?

Miller: Echt? Rock? So haben wir das noch nicht gesehen. Klingt eigentlich mehr nach Country (klatscht sich im Takt auf die Schenkel). Aber das ist unser stärkster Song, den wir auch als Video veröffentlichen werden. Er ist reibend, peitschend, hat aber dieses offene und überraschende Ende. Wir sind darauf wirklich stolz.

Ihr hattet den Song „Clouds Over California“ geschrieben. Im so genannten Sonnenscheinstaat scheint aber derzeit nicht wirklich die Sonne zu scheinen, wenn man Berichten folgt. Ihr kommt von dort. Wie seht ihr die Politik da?

Kendrick: Über Kalifornien wissen echt die wenigsten Leute Bescheid. Der Grund für die miserable wirtschaftliche Lage ist dort ein Mangel an Wissen. Dabei ist die dortige Bildungspolitik absolut besch***en. Man muss einen Haufen Geld bezahlen, um vernünftige Schulbildung zu bekommen. Die Unterschichten hängen in den schlecht ausgerüsteten öffentlichen Schulen ab und die haben auch kein Geld um ihre Situation zu verbessern. In Santa Monica und Los Angeles konzentriert sich alles, ansonsten ist das Land sich selbst überlassen.

Miller: Schwarzenegger ist auch das schlimmste, das den Staat passieren konnte.

Und was denken sie über Barack Obama?

Miller: Obama ist der toughste Junge, der jemals dieses Land regiert hat. Ich habe ihn gewählt …

Kendrick: Ich auch.

Miller: …, yeah, die Leute wollen aber schnelle Ergebnisse von ihm sehen. Ob das passieren wird, weiß ich nicht, aber Obama wird sich nicht dadurch messen lassen. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir aus einem Tunnel gestiegen sind, der vier Jahre lang mit Bush gedauert hat. Nun scheint alles hoffnungsvoller zu sein. Ich finde es echt gut, endlich einen Afroamerikaner im Weißen Haus zu haben.

Was sagen Sie zu illegalen Downloads?

Miller: Das ist richtig Sch***e! Illegale Downloader stehlen das Geld, was Bands wie wir in die Produktion hineinstecken. Eine Menge Gruppen sind vielleicht nicht in der Lage zu touren und sind auf das Geld über ihre Plattenverkäufe angewiesen. Und das Internet f***t sie so richtig, weil denen dadurch ein Haufen Geld verloren geht. Man muss aufpassen nicht unter die Räder zu kommen, während sich alles um einen herum verändert. Und ich füge noch hinzu, die Leute arbeiten hart für ihr Geld, dass so ein Album produziert und promotet wird. Das steckt alles im Preis dieser einen CD drin. Das sollte man immer bedenken, wenn man sich ein Album aus dem Internet illegal zieht.

Gibt es in der Vertriebsform und anderen Dingen Möglichkeiten, diesen illegalen Downloads zu begegnen, ihrer Meinung nach?

Miller: Ja. Indem man legale Downloads anbietet. Oder Mischformen des Vertriebs macht. Man muss als Band noch härter arbeiten, dass man seine Fans überzeugt, dass sie uns unterstützen.

In diesem Sinn. Vielen Dank für das Interview.

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