Dark Suns im Rückspiegel: Gemeinsam sind wir stark!

Immer im Dialog: Torsten Wenzel und Niko Knappe (Foto: Daniel Thalheim)

Immer im Dialog: Torsten Wenzel und Niko Knappe (Foto: Daniel Thalheim)

Am 15. März war es soweit. Eine Woche nach ihrem spektakulären Auftritt im Leipziger Szeneclub UT Connewitz bescheren uns Torte und Niko von Dark Suns ein angenehmes Interview. Vollbepackt mit Eindrücken ihres jüngsten Konzertes, ihres neuen Albums „Grave Human Genuine“ und diversen anderen Vorkommnissen gestaltet sich das Interview als tiefer Einblick in die Seele der progressiven Ausnahmeband. Aber lest selbst, was Thorsten (Gitarre) und Niko Knappe (Gesang / Schlagzeug) zu den Album-Aufnahmen, dem UT-Konzert und zu dem Bandschrumpfungsprozess sagen. Ein Artikel für Bloodchamber vom 14. April 2008.

Ihr habt ein wunderschönes Release-Konzert im UT Connewitz gegeben. Am Telefon sagte mir bereits Maik (Knappe, Gitarrist bei Dark Suns), dass ihr das Event selbst organisiert habt. Wie kam es dazu ?

Torsten: „Wir waren echt überrascht wer alles doch noch gekommen ist. Ein Blick in den Saal gegen neun Uhr abends hatte uns etwas verunsichert, aber die meisten Fans wussten auch erst von einem Beginn ab 21 Uhr, so dass es für die Vorband (Bleak Origin aus der Schweiz) nicht von Vorteil war. Zwar stand auf der UT-Homepage 21 Uhr Beginn, was aber nicht weiter schlimm ist. In der Kulturbeilage der Mittwochsausgabe der Leipziger Volkszeitung stand sogar unser Auftritt für den Sonntag drin, was bei uns für eine kleine Aufregung sorgte. Denn nicht einmal ein Anruf dort konnte für Aufklärung sorgen. Irgendwie rätselhaft, weil in unserer Pressemitteilung das richtige Auftrittsdatum drinstand. Aber dem Konzert stand das alles nicht im Wege, so dass wir uns über die vielen Gäste und die gute Stimmung im UT sehr gefreut hatten. Wir sind noch immer sehr überrascht wie gut unsere Show ankam.“

Wir konnten bei eurem Auftritt zwei Bassisten bewundern. Das kam auch gut rüber. Wie seht ihr das?

Niko: „Der blonde von beiden war Micha. Über Maik haben wir ihn kennengelernt. Beide hatten früher zusammen in einer Band gespielt. Eigentlich ist er kein Bassist sondern Gitarrist. Micha spielte die Songs ein, die er konnte und für die anderen sprang Jakob ein, der an der Leipziger Musikhochschule studiert. Für uns war die Zusammenarbeit mit den beiden, gerade mit Jakob auch spannend, weil sie eine andere Herangehensweise haben.“

Wird Andy (Schmidt, Frontmann bei Disillusion und Produzent beim Tonstudio Echolux) auch wieder mal mit euch auftreten ?

Niko: „Ich glaube eher nicht. Das war am letzten Wochenende echt nur eine Ausnahme. Er ist ja mit seinem Studio (2008 noch Kick The Flame, Anm. d. Verf.) und Disillusion auch voll ausgelastet. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle von uns!“

So ganz unreizvoll sah sein Auftritt mit euch bei „Flies In Amber“ ja nicht aus. Optisch und akustisch machte es ja was her. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit ihm, denn er hatte seinen im UT vorgetragenen Part sicher auch auf Album eingebrüllt.

Niko stimmt mir lachend zu: „Der perfekte Frontmann für uns. Genau bei dem Song „Flies In Amber“ growlte Andy seine Parts ein. Live spielte er noch den Gitarrenpart, dafür bekam er mehr Bier von uns, ha ha ha.“

Da sprangen noch obskure Figuren rum, Albert und so … ?

Torsten korrigiert: Ne, Frankenstein. Diese Showeinlage soll an unser Video zu unserem thrashigen Instrumental „The Chameleon Defect“ erinnern.“, Niko brummt noch hinzu, dass:“… wir beide „Darsteller“ von befreundeten Bands kennen. Wir fragten sie einfach, weil wir es für eine gute Idee halten bei diesem Song eine kleine Einlage zu bieten, die auch optisch was her macht.“

Werdet ihr solche Einlagen wie die rumlaufenden Maskierten oder mittrommelnden Percussionisten auch wiederholen?

Niko:“Für kleinere Wochenend-Gigs werden wir das normale Ding fahren, aber bei einer kleineren Tournee können wir uns vorstellen die Percussion auszubauen oder die Maskensache zu bringen. Das kam auch schon letzten Samstag bei unserer Record-Release-Show gut. Allerdings klappt sowas nur, wenn die anderen auch dafür Zeit haben.“

Bei eurer Show waren auch Kameraleute anwesend. Das Ganze wurde also gefilmt. Maik deutete an, dass daraus eventuell eine DVD entstehen könnte. Wie sieht es aus mit solchen Plänen?

Torsten: „Ja, aber es wird so sein, dass nur drei Songs aus dem Filmmaterial geschnitten werden. Über drei Ecken und Freunde hat sich ein Kumpel bereit erklärt, für uns die Show partiell zu filmen. Er will sich in diesem Bereich selbstständig machen und im Internet eine Plattform anbieten, wo er für sich wirbt.“

Niko: „Eigentlich sollte noch ein Interview dazu kommen, aber wir wollten erst mal die drei filmisch zusammengeschnittenen Songs. Dann wollen wir sehen, was wir damit anstellen können. Vielleicht kann man aus dem Filmmaterial noch zwei weitere Songs rausholen, aber für eine DVD wird es definitiv nicht genügen.“

Die Liveumsetzung eurer neuen Songs habe ich mir nach dem Hören eures Albums ziemlich schwierig vorgestellt aufgrund ihrer Komplexität. Denn irgendwie unterscheiden sie sich grundlegend von eurem letzten Album „Existence“. Die neuen Songs von „G.H.G.“ stachen förmlich heraus. Daran schließt sich auch meine Frage an, inwieweit ihr im Songwritingprozess darauf Einfluss nehmt“.

Torsten: „Wir folgen bei unserem Schreibprozess keinen Vorgaben nach dem Motto ‚So und so sollen die Songs dann klingen‘. Keinesfalls. Aber wir begannen recht schnell mit dem Songwriting zu „G.H.G.“. Das Schreiben ging schon unmittelbar nach der „Existence“-Tour los und wir sammelten unheimlich schnell Ideen an, so dass wir sehr viele Ansätze besaßen. Und erst während des richtigen Songwritings war klar, in welche Richtung die Songs gehen würden. Einen Moment lang dachten wir darüber nach, ein Doppelalbum zu machen. Zum Glück haben wir es dann auch bei der Idee beruhen lassen, denn so haben wir uns auf die stärksten Ideen und Songs beschränkt.“

Niko fügt hinzu: “ … es für uns eine mutige Entscheidung war, kein Doppelalbum zu machen. „Grave Human Genuine“ ist für uns die Quintessenz aus allem, was uns an Ideen songdienlich schien. Beim Songwritingprozess muss man halt auch mal Abstand von den Songs gewinnen um dann sagen zu können ‚Hey, das klingt okay‘, oder ‚Diesen oder jenen Part arbeiten wir aus, weil er schon ein Stück in die Tiefe geht‘. Die endgültige Entscheidung, was wie wo drauf kommt, fand während der Voraufnahmen statt. Vor den Hauptaufnahmen hatten wir bereits schon ein Album, das natürlich teilweise mit Drumcomputer unterlegt war und ein bis zwei Übergänge hatte. Im Mix hatte sich noch einmal die Songreihenfolge geändert. Zum Beispiel war unser Bonustrack vom Digipack „29“ vorher vollständig im Songfluss integriert und beim Mix stellte sich heraus, dass die Verbindung zwischen unserem Song „Rapid Eye Moments“ und „Amphibian Halo“, wo ursprünglich „29“ eingefügt werden sollte, an sich so stimmungsmäßig nicht passte mit seiner jazzy-fluffigen Stimmung inmitten der perfekten Melancholie und Kälte. Es war für uns die beste Idee, „29“ herauszulösen und gesondert zu veröffentlichen.“

Was steckt hinter der Zahl ’29‘?“

Niko: „Der Hintergrund für „29“ ist, dass im Bekanntenkreis eines Freundes von uns jemand verstorben war. Der Song ist als Versuch einer Nachbetrachtung an diesen verstorbenen Menschen zu sehen. Allerdings ist das ein sehr sensibles Thema. Auf unserer CD steht das auch drauf und wir finden, dass „29“ einen würdigen Platz auf dem Album gefunden hat. Ich will noch ergänzen, dass wir auf „Grave Human …“ einen zusammenhängenden Songfluss schufen, wohingegen „Existence“ eher einem zusammenhängenden textlichen Konzept folgt. Auf dem Album kann man sicher ein bis zwei Songplätze miteinander tauschen, was bei „Grave …“ nicht funktionieren würde. Musikalisch sticht „29“ zu sehr von den übrigen Songs heraus, so dass er gesondert auf dem Digipack erschien. Im Vergleich zu „Existence“ war auch neu, dass sich „Grave …“ mehr und mehr aufbaut. Es war so mit dem Songfluss nicht beabsichtigt aber hat sich als kleines Credo der Platte heraus kristallisiert. Ob das Album jetzt als Reifeschritt bewertet wird, hoffen wir mal. Doch speziell „R.E.M.“, „Amphibian Halo“ und „Free Of You“ folgen einer großen Grundidee, die wir durch Harmonien, durch Gesänge und durch Intensität entwickeln ließen.“

Es soll ja Leute geben, denen die Platte nicht gefällt. Und überhaupt finden manche keinen Zugang zu „Grave …“ weil sie nicht wie „Swanlike“ klingt. Was sagt ihr zu solchen Meinungen?

Niko: „Wir wissen, dass der Zugang zu „Grave … “ definitiv schwieriger ist. Aber was sich dann entfaltet, sollte man sich wirklich geben.“ Thorsten ergänzt schmunzelnd: „Es ist definitiv falsch, eine neue Platte mit einer alten zu vergleichen. Ich finde es halt nur sehr blöd, wenn Leute denken ‚Mist, also irgendwie hat die neue Platte ja gar nix mit „Swanlike“ zu tun‘, und dann sagen wir uns ‚Ach nee‘ (allgemeines Gelächter). Dass allerdings Leute, die „Swanlike“ geliebt haben von dem neuen Album enttäuscht sind, ist okay.“

„Natürlich scheint „Grave … “ mit griffigen Hooklines und Eingängigkeit zu geizen, aber speziell „Rapid Eye Moments“ hat ein Hammerrefrain, wenn er sich erstmal entfaltet.“ Der sympatische Drummer ergänzt blinzelnd: „‚Thornchild‘ ist wohl das kommerziell anmutendste Stück auf unserem neuen Album, wenn man das so überhaupt sagen kann. Das Album ist halt nicht so plakativ, wir verstecken halt unsere Schätze jetzt mehr. Wir wollen gerade mit dem neuen Album Leute ansprechen, die es sich nicht so einfach machen wollen und sich für ein Album Zeit nehmen.“

Stichwort Gäste: Wer außer Andy hat denn noch mitgemacht ?

Niko: „Allen voran Kristoffer Gildenlöw (ex-Pain Of Salvation). Vor drei Jahren als wir mit P.O.S. tourten hätten wir es nicht zu träumen gewagt, dass er irgendwann auf einer unseren Platten mal mit wirken würde. Für uns ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Kontakt besteht auch weiterhin und mal sehen, was sich noch so ergibt.“

Nochmal zurück zum Album. Gab es während der Aufnahmen einen Punkt, wo ihr dachtet … „Uns zu erhängen?“ scherzt Torsten; … nee, dass das Album für euch und eure Zuhörer neue Grenzen setzt? 

Torsten: „So einen Gedanken hat man definitiv und natürlich denkt man auch an die Hörer ‚Wie nehmen sie das auf, was werden sie darüber denken?‘. Aber das Songwriting beeinflusst das nicht.“

Niko: „Wenn am Anfang des Aufnahmeprozesses ein Riff, ein Refrain oder Melodie im Raum steht, die irgendwann mal später einen sinnvollen Platz auf dem Album bekommen, dann sind wir quasi die Probanden dieses Prozesses. Das heißt, diese Teile miteinander zu besprechen, zu probieren ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Prozess. Man verfällt aber auch leicht in eine philosophische Stimmung, wo man solche Dinge auf der Couch klären und wir fanden schnell heraus, dass das nicht viel bringt. Wir besprechen lieber alles, wenn wir gleichzeitig auch daran arbeiten können. Der Prozess war auch sehr lang und war sicher für uns eine Grenzerfahrung. Speziell „Flies In Amber“ kostete sehr viel Zeit, wobei andere richtig schnell entstanden. Aus der Fülle unserer ‚Spurenelemente‘ haben wir auch viel Auswahl, was es auch nicht so einfach macht.“

Album ist fertig. Tour ist sicher schon geplant?

Torsten: „Geplant noch nicht, aber fest in unseren Hinterköpfen.“

Bewältigt ihr die Organisation der Touren selber oder macht das jemand für euch?

Niko: „Kleinere Gigs planen wir schon selbst mit Hilfe von Netzwerken und Freunden.“ „… Aber wenn es um mehrere Konzerte im Rahmen einer Tour geht brauchen wir schon jemand professionelles“, ergänzt Thorsten.

Wie wollt ihr das bewältigen, wenn ihr keine festen Bandmitglieder habt, sondern derzeit nur mit Sessionmusikern arbeiten könnt?

Niko: „Eigentlich ist es schon geplant mit entweder einem oder beiden Bassisten (gemeint sind Micha und Jakob vom UT-Gig) auf Tour zu gehen. Das werden wir ja sehen. Das hat ja gut funktioniert und warum nicht beibehalten? Beide sind für uns jetzt Bandmitglieder, sie gehören zu uns, weil sie eben mit uns schon auf den Bühnenbrettern standen und die Songs kennen.“

Eurer Clip zu „Chameleon Defect“. Den finde ich ja super. Wer hat denn das gedreht?

Torsten: „Jan, unser langjähriger Techniker.“ Niko gibt zum Besten, dass: “ … der Clip nicht geplant war und das es eine spontane Sache gewesen ist. Die Voraufnahmen waren fertig und da gab es unser Instrumental mit diesem ‚Black Metal-Teil‘, das erste was DARK SUNS in dieser aggressiven Form geschrieben haben.“ Thorsten ergänzt: „Eigentlich war eine Videodokumentation zu unseren Aufnahmen geplant und erst dann kam die Idee ein Video speziell zu diesem Song zu machen. Und irgendwie wurde das Chaotische des Instrumentals fantastisch in Bildern umgesetzt. Irgendwie wollten wir uns auch auf die Schippe nehmen und so steht das Instrumental, bzw. das Video krass zur dunklen Stimmung von „Grave Human …“ und zeigt auf ein anderes Wesen unserer Band.“

Fantastisch! Übrigens, was ist aus eurem Keyboarder geworden?

Torsten und Niko im Wechsel: „Er stand zwar während der Songwritingphase außen vor, aber in der Arbeitsphase lief es gut. Er stand zu den Songs und deren Ausrichtung. Er brachte sich gut ein, aber in der Kreativitätsphase war er nicht so aktiv. Am Ende der Aufnahmephase war Thomas (Bremer) plötzlich weg, was wir vorher nicht von ihm kannten. Bei „Existence“ war er ja derjenige, der uns zur Arbeit getrieben hatte. Während seiner Abwesenheit am Ende des Aufnahmeprozesses wollten wir aber weitermachen, weil wir nach drei Jahren endlich fertig sein wollten. Sein Beitrag fehlte einfach, er war nicht da. Nachdem wir miteinander Klartext geredet hatten, haben wir uns einvernehmlich getrennt.“

Gut. Das war es auch schon von meiner Seite. Das war ein sehr schönes Interview mit euch. Ich wünsche euch viel Erfolg bei euren Tourplänen und dass eurer neues Album auch ordentlich wahrgenommen wird.

Beide: „Danke auch, es war auch für uns auch sehr angenehm.“

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