Arranged Chaos im Rückspiegel: Das Ding aus dem Sumpf mit neuem Album

„As Time Goes By…“ heißt das neue Werk der Leipziger Extrem-Metal-Band „Arranged Chaos“. Bereits im Mai veröffentlicht, steht nun der neue Silberling in den Verkaufsregalen. Noch reagiert die Musikpresse zurückhaltend auf das zarte Pflänzchen, das neben „Myra“ nach „oben“ streben will.

Der typische Metaller ist verwöhnt. Selbst kleine Produktionen klingen wie die von großen Acts. Sauber, steril und austauschbar. Der durchschnittliche „Bombenleger“ stöbert anscheinend lieber in den Online-Katalogen nach der internationalen Durchschnittsware der großen Independent-Plattenfirmen, anstatt seine Nase aus dem Fenster zu halten und zu schauen, was bei ihm um die Ecke los ist.

Natürlich ist es nicht möglich, alle Fans über einen Kamm zu scheren. Es ist aber auch schwer, wenn man die Szene-Magazine aufschlägt, grelle Werbung sieht, dazu ein saftig flockiges Review liest und dann doch nur statt des X ein U vorgemacht bekommt. Und beim Hören wirds dann doch häufig doch wieder ein X.

„Arranged Chaos“ aus Leipzig gehören noch zu den den tausenden kleinen und oft weniger beachteten Bands, wofür die Musik und die Künstler selbst weniger können. Und sie haben mit „As Time Goes By…“ ein durchaus respektables Deathcore-Album eingezimmert, das hörbar ein Quantensprung zu ihrer Demo-Veröffentlichung von 2008 mit dem Titel „Unleashed“ darstellt. Auffällig ist die gestiegene Qualität im Songwriting – alles wirkt beim aktuellen Nachfolger gehörig straff gezurrt und es hat ordentlich Wind in den Segeln.

Das soll heißen, dass vor allem die Schlagzeugarbeit, die Gitarrenfraktion und der Gesang mehr Kraft hat, klanglich und technisch wurde zugelegt. Kleine Schwächen gibt es nur im leisen Instrumental „Silent Moments“, das ein wenig Ruhe in die aggressiv schleppenden Stücke bringt.

Wo sonst sich das Schlagzeug klanglich bestens in das Gesamtbild einfügt, schlägt es förmlich die sanft gezauberte Gitarrenstimmung in dem kurzen Instrumental kaputt. Offenbar ein Mischpultproblem. In uneingestöpselten Stücken sollte man einfach die Akustikgitarren lauter und das Schlagzeug leiser drehen. Themen, wenn man beginnt und sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung, von Auftritt zu Auftritt voran arbeitet.

Denn auf dem viel versprechenden Album bekommt der moderne Metalfan pumpende Bässe, heftig schreddernde Gitarren, viel wütendes Quieken und Grunzen sowie gehörige Schlagzeug-Attacken um die Ohren gewedelt. Am besten sind „Arranged Chaos“ vor allem dann, wenn sie mit eingängigen, kurzen und knackigen Stücken arbeiten, wie in „Own Decision“, der sich schnell als Szene-Hit entpuppen könnte.

Heftige Kost kommt hingegen mit dem mächtig wackelnden Opener „Depending On A Change“. Auch das Stück „Rigor Mortis“ schlägt ordentlich in das Kerbholz, in das neben „nackte Wut“ auch „unbändiger Zorn“ geschrieben stehen könnte.

Kurzum – auch wenn hinter „Arranged Chaos“ kein „Roadrunner“, „Nuclear Blast“ oder „Metal Blade“ als Label steht, schafft es diese Leipziger Formation ein abwechslungsreiches, technisch anspruchsvolles und kompositorisch ansprechendes Album einzuspielen.

Wer Formationen wie „Architects“ und sogar heftigere Kost mag, ist bei „As Time Goes By…“ gut aufgehoben. Natürlich ist bei einem Debütalbum längst nicht alles erzählt bei dieser jungen Band – aber man sollte beginnen, sie im Auge zu behalten. Und wie man munkelt, arbeiten die Jungs bereits wieder an neuen Stücken.

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