Steven Wilson im Rückspiegel: Kein träger Mäander mit „The Incident“

Alles ist neu im Prog Rock-Bereich? Eigentlich nicht, aber viel wurde neu geordnet. In den Neunzigern hatten Dream Theater und Tool das Progressive-Zepter in der Hand – jetzt sind es wohl Porcupine Tree. Bandkopf und Hauptsongwriter Steven Wilson ist schon seit rund zwanzig Jahren mit diesem Projekt am Start und seit etwa zehn Jahren gedeihen die Früchte seiner Beharrlichkeit und seines erzählerischen Genius. Ein Artikel vom 23. Oktober 2009 für die L-IZ.

In den letzten Jahren wurde Porcupine Tree sowohl von der Rock- als auch von der Metalpresse gefeiert. Überschneidungen in beide Genres gibt es viele im Werk von Porcupine Tree. Viel hat sich auch auf „The Incident“ nicht geändert. Es ist eher die Perfektion der Perfektion geworden. Die Vielfalt an klanglichen Schichten, der eingängigen Melodien und die schiere Komplexität stehen dem übermächtigen Konzept gegenüber, einen einzigen Song auf 55 Minuten auszudehnen. Und dann eine weitere CD mit vier weiteren Stücken zu veröffentlichen. Fast anderthalb Stunden umfasst die Spielzeit beider Longplayer.

Es ähnelt dem Vorhaben, das schon Led Zeppelin, Genesis und nicht zuletzt Pink Floyd angepackt hatten und damit auch erfolgreich waren. Danach versuchten sich viele Bands an solchen Projekten – Iron Maiden und Queensryche beispielsweise, oder sogar Judas Priest und Sepultura. Konzeptalben waren bis auf ganz wenige Ausnahmen Projekte des Scheiterns. Eine unendliche Geschichte.

Bei Porcupine Tree ist das anders, trotz der Detail- und Technik verliebten Musik, schimmern unzählige gefühlvolle Momente hervor. Das liegt nicht nur an der scheinbaren Leichtigkeit der Kompositionen, sondern auch an der warmen und einfühlsamen Stimme Wilsons, die erreicht, dass die vielen kleinen unterteilten Stücke des 55 minütigen ersten Albums, oder auch Songs „The Incident“ zusammengehalten werden. Auch vergeht sich Wilson nicht in Verschachtelungen und nicht mehr nachvollziehbaren Free-Jazz sondern stellt immer noch den Song an die erste Stelle. Das knüpft der Produzent und Songwriter in einem vertonten Fluss zusammen. Einem Fluss, dem man vom Ufer zuschaut und trotz der Gleichförmigkeit ständig Bewegung feststellt, sei es das Kräuseln der Wellen am Ufer, einer ruhigen Lache an der Uferzone mit flirrenden Gruppen von Fischlein, schattig krautigem Ufergewächs und Fröschen, oder dem an Steinen und Wurzeln schäumenden Wasser. Schwere und Leichtigkeit stehen im Kontrast zueinander.

„The Incident“ unterliegt aber auch dem Merkmal eines typischen Konzeptalbums, eine Geschichte erstreckt sich durch scheinbar unvollendete Songfragmente, gehen ineinander über und reißen aufgehobene rote Fäden wieder ab. Wären da nicht kleine sich ändernde Wiederholungen, die überraschen. „The Incident“ ist perfekt geworden, ohne Zweifel.

Das Album mäandert, jeodch nicht wie so zahlreiche andere Konzeptalben ins Nichts.

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