Paradise Lost im Rückspiegel: Im Schatten der Götter

1992 erschien von fünf Briten ein Studioalbum, das viele Metal-Fans in Erstaunen versetzte. „Shades Of God“ hieß das Drittwerk von Paradise Lost, einer Band, die bis dato von wuchtigem Death Metal mit Melodie und Trübnis von sich Reden machte. „Gothic“ war 1991 das Ereignis im Szene-Geschehen. „Lost Paradise“ entdeckten viele erst rückwirkend und erschien wie ein kleines Erdbeben. Hier ein Artikel von mir über „Shades Of God“, der am 6. Juni 2008 beim Metal-Magazin „Bloodchamber“ erschien.

Der Wechsel von dem Undergroundlabel Peaceville hin zum Major Music For Nations gestaltete sich als einschneidende Veränderung des bis dato gewohnten Paradise Lost-Sounds. Es fehlte neben dem üblichen PL-Logo auch der betont deathmetallische Grunzgesang von Nick Holmes. Seine Stimme klingt akzentuierter. Der von Simon Efemey abgemischte Klang von „Shades Of God“ ist schwarz und hart. Ganz anders als bei dem doch eher drucklos abgemischten Vorgänger „Gothic“. S. Eferney hat auch die beiden Folgealben produziert, passte sich aber im Sound stets am Songwriting der Band an. Das künstlerisch gestaltete Cover von Dave Mc Kean schreckte ebenfalls viele eingefleischte Fans ab. Insofern eine gelungene Bereicherung, die mich nicht nur zur intelligent gemachten Musik, sondern neben dem Überalbum von Bolt Thrower aus dem selben Jahr („4th Crusade“) zur Kunst brachte.

Die acht Songs sind nicht von dieser Welt. Eher der späten Celtic Frost-Phase affin, bieten die überlangen Tracks sperrigen und verflucht heavy gespielten Doom. Rockig angehauchter Doom Death Metal trifft es eher, wobei Gregor Macintoshs Leads immer noch ein Markenzeichen darstellen. Düster-balladeske Anfänge und Einschübe (u.a. „Daylight Torn“, „No Forgiveness“, „Your Hand In Mine“, „Crying For Eternity“), interessante Breaks und Tempowechsel sowie einige Seventies-Einflüsse lassen das Album aus einem Guss erscheinen. Vor allem die sägenden Gitarren tragen zu einer düsteren Grundstimmung bei. Aber nur der CD-Bonustrack „As I Die“ trug MTV sei Dank (der Song wurde auch als Videoclip veröffentlicht) zum weltweiten Durchbruch des Albums und somit auch der Band bei. Eigentlich ein Phänomen oder kalkulierte Absicht. Sei es drum, denn dieser Song wird neben dem treibenden „Pity The Sadness“ immer noch live (wieder) gespielt.

Auch wenn sich das Gesicht von Paradise Lost merklich wandelte, so ist der Band kompositorisch und technisch ein Meisterwerk gelungen. So eine Leistung wurde meines Erachtens nie wieder erreicht. Auch wenn meine Wertung subjektiv erscheinen mag und andere „Gothic“ viel besser finden, so denke ich, dass hier weder Filler noch Peinlichkeiten vorhanden sind. Paradise Lost waren mit diesem Album auf der Höhe ihrer Zeit und haben einen Genre-Klassiker geschaffen, der nicht nur der Steigbügelhalter des kommerziell erfolgreicheren Nachfolgers „Icon“ ist.

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