Paradise Lost im Rückspiegel: Ein Requiem auf Leipzig

2007 war Paradise Lost in Leipzig. Grund genug für mich mit einem „Bloodchamber“-Kollegen ein Konzert im Leipziger Club „Hellraiser“ zu inspizieren und sich mit ein paar Leuten zu unterhalten. Der Artikel erschien am 1. Oktober 2007 bei „Bloodchamber“. Hier nun leicht um die Beiträge des „Bloodchamber“-Kollegen gekürzt und um einige Eindrücke von mir erweitert.

Die Wegbereiter des GothMetal zieht es wieder in die Pleißemetropole. Mit einem umwerfenden Album im Gepäck kann eigentlich nichts schief gehen und viele Fans erhoffen sich eine ähnlich fulminante Show wie 1994 im Easy Auensee. Doch dass sich neben der Zeit auch die Band ändert schlägt sich nicht nur an der gewohnt starken Setlist nieder. Aber das erwartete Best-Of-Programm mit einer guten Mischung aus ganz alten Songs und eben ganz neuen wurde nur zum Teil kredenzt. Aber zunächst bekommen die Newcomer von Neurosonic ihre Chance.

Die überall gepriesene Mischung aus Industrialelementen, Metal und Gothic bleibt lediglich auf das Outfit beschränkt. Die vier netten Kanadier gaben gewöhnlichen Hardrock zum Besten, der von Storchenschritt, Haarmützenbanging und Lederkäferoutfit optisch begleitet wurde. Eigentlich gibt es an der Musik nichts weiter auszusetzen, doch das Erstaunen und Lachen ist bei vielen groß als der Sänger beginnt, stimmlich alles niederzusingen. Der Kontrast zwischen Bandhabitus und Musik ist einfach zu groß, dass sich einfach nur gelassene Heiterkeit wie bei einem bestimmten Monty-Python-Gag über Sprachfehler römischer Statthalter breitmachte. Nach der Show erzählte mir dann der Gitarrist, dass sie es gewohnt sind und oftmals krassere Reaktionen (reaktionsloses Gucken beispielsweise) ob ihrer Musik bekommen. Bewegung bedeutet Haltung. Zumindest in Deutschland.

Ein Lichttechniker, der seit einigen Jahren mit Paradise Lost umher zieht, sagte auf die Frage, wie die Band auf Tour generell ist, folgendes: „Jeden Abend das Gleiche.“ Dass die Briten generell etwas maulfaul sind, brauche ich nur am Rande zu erwähnen. Die Crew langweilte sich, zum zigsten Mal Lieder wie „Never For The Damned“, „The Enemy“, „Ash & Debris“, „In Requiem“ und „Praise Lamented Shade“, sowie „So Much Is Lost“, „One Second“, „No Celebration“, „Grey“ und „Over The Madness“, „Pity The Sadness“, „Enchantment“ und „As I Die“ in der selben Reihenfolge zu hören. Paradise Lost spulte stur sein Programm herunter. „Denen geht es nur um die Einspieleinnahmen“, steckte mir der Lichtspieltechniker noch.

Nach der viel zu kurzen Show blieb der Eindruck zurück, dass dies nur ein routinierter Gig der Recken war und allabendlich dasselbe Programm abgespult wird. Die Fans 10 Minuten nach zwei Zugaben brüllen zu lassen, gehört wahrscheinlich zum schwarzen Humor der Band, die offensichtlich zwischen kalten Steinfußboden und Toilettentür immer noch ihre englische Würde behält. Aber bei dem straffen Programm, den PL absolvieren, war es ein toller Abend mit guten Songs und einem lautstarken Publikum.

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