Nosound im Rückspiegel: Kein Klang im Klangkörper?

Aus Italien kam lange nichts mehr vernünftiges in Sachen Musik. Gut, vielleicht neben den Dauerrennern ein paar Italo Pop-Sternchen. Auch (musik)wirtschaftlich und politisch hat sich Europas Stiefel in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch es gibt Lichtblicke. Auch wenn sie Nosound heißen. Ein Artikel vom 20. September 2011 für die Leipziger Internet Zeitung.

Beim britischen Plattenlabel KScope tummeln sich Bands, die anspruchsvoller tönen und andere Wege als herkömmliche Rockbands gehen. Es muss nicht komplizierter zugehen als bei Bon Jovi, Bruce Springsteen & Co., aber das bedeutet der Begriff „Progressive Rock“ auch nicht. Es ist Rockmusik, die sich entwickelt. Kritiker sprechen schon bei frühen Acts wie Genesis und Pink Floyd von „progressiv“. Also Musik, die sich vom üblichen Radio-Hit-Einheitsbrei abhebt und Rock zu neuen Pfaden entwickelt.

Die 2002 in Rom gegründete Combo Nosound gehört unweigerlich zu den Entwicklungshelfern der Rockmusik, die auf dem KScope-Label versammelt sind. Fans kennen Musik wie Lunatic Soul, Anathema, Anekdoten, Ulver und Porcupine Tree von dieser Plattenfirma. Und genau in diesem Gemenge ordnet sich Nosound ein. Allroundtalent Giancarlo Erra hat aber auch Künstler wie Pink Floyd, Genesis und Brian Eno im Ohr, wenn er seine Hörer bei „The northern religion of sounds“ mit auf innere Reisen nimmt.

Es ist kein gewöhnliches Album, vielmehr eine gelungene Probe-Aufnahme, eine Rehearsal Session, die im Zuhause von Giancarlo Erra im Vorfeld eines Clubgigs in London 2005 eingespielt wurde. Erra wohnt inzwischen ja fast um die Ecke. „The northern religion of things“ ist damit ein Frühwerk des Italieners, wenn man später unveröffentlichte Werke und Wiederveröffentlichungen ausspart, denn viele der hier vertretenen Songs, kommen auch auf den späteren Scheiben vor.

Fans der norwegischen Avantgarde-Pioniere Ulver, weichen Porcupine Tree und Pink Floyd würden sich anhand der elektronisch-wabernden Ambient-Klänge die Hände, bzw. die Ohren reiben. Denn wie Erra zu dieser Scheibe sagt, ist die Herangehensweise ganz ohne Schlagzeug und großes Besteck diesselbe wie beim ersten Nosound-Auftritt 2005. Da ging’s auch nur mit Keyboards und etwas Akustikgitarre zur Sache. So ist „The northern religion of things“ ein fast flüsterndes Werk geworden, das viel Weite, dämmrige Sounds und einen Flug durch einen nächtlichen Himmel suggeriert.

Für Erra schließt sich mit „The northern religion of things“ ein Kreis, den er 2005 eröffnete. Und irgendwie ist das 2005 entstandene Probestück auch eine kleine Retrospektive. Um was anderes geht es laut Erra beim von August 2010 bis März 2011 nun endlich fertiggestellte Album auch nicht. Songtitel wie About butterflies and children“, „Fading silently“, „Lightdark“ und „Hope for the future“ blicken ebenfalls zurück auf die eigene Diskographie – oder nach vorne? Tauchten einzelne Stücke bereits in anderen Versionen auf den Alben „Slow, it goes“ (2007), „Lightdark“ (2008), „A sense of loss“ (2009) und „sol29“ (2005, 2008, 2010) auf. „The northern religion of things“ kann neben seinen Rückgriff, oder Vorgriff, wenn man es so will, nur eine Brücke zu einem neuen Nosound-Werk sein.

Nicht ganz allein für sich stehend, aber eine wundervolle Entdeckungsreise in das Klanggebilde namens Nosound für kommende Herbstabende.

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