Anathema im Rückspiegel: Retrospektive mit „Falling Deeper“

Keine Band hat ihr Gesicht in den vergangenen Jahren so angenehm geändert wie Anathema. Die britischen Rocker fingen vor zwanzig Jahren als finster-verträumte Doom-Metaller an, die ganz viel Death Metal in sich tragen. Ihre Songs von damals haben sie nicht mehr im Programm. Mit der neuen Scheibe wird sich das ändern. Ein Artikel vom 11. September 2011 auf der Leipziger Internet Zeitung.

Die Briten galten Anfang der Neunziger mit Scheiben wie „Crestfallen“, „Serenades“; „Pentecost III“ und „Silent Enigma“ als eine der Speerspitzen des englischen Doom-Deathmetal, wozu Paradise Lost und My Dying Bride auch gehörten. Schon früh begann Anathema, ihr Gesicht zu wandeln. Weg vom bösen Metal-Image hin zu einer Alternativrock-Band mit heftigen Strudeln unter der sanften Oberfläche.

Nach langer Pause meldeten sich die Brüder Vincent und Daniel Cavanagh 2010 mit dem Studiowerk „We’re Here Because We’re Here“ zurück, haben mit einem fast dreistündigen Geburtstagskonzert 2010 die Leipziger begeistert. Nun die Retrospektive in die Anfangstage der 1990 gegründeten Band. Ihre Frühwerke haben sie noch einmal zur Brust genommen, gesehen, dass da mehr Potenzial drinsteckt als früher auf Silberlinge gegossen.

Anathema arrangierte epische Nummern wie „Kingdom“, „They Die“, „Crestfallen“ und das fast schon als Messe-Lied zu bezeichnende „J’ai Fait Une Promesse“ komplett um, nahm ihnen die schwerfällige Brutalität und machte sie zu schwebenden Kompositionen, die natürlich die gewisse Melancholie in sich tragen.

Ähnliches unternahm die Band bereits mit der akustischen Retrospektive auf „Hindsight“ 2008, doch mit den orchestralen Arrangements von Dave Stewart bekommen die alten Tracks genau den Anstrich verpasst, der ihnen am besten zu stehen scheint. Schon auf „We’re Here Because We’re Here“ hat die Gruppe mit Dave Stewart zusammengearbeitet, die Liaison hat sich bewährt.

In Ansätzen sind die alten Lieder noch zu erkennen, die folkloristischen Wurzeln schimmern nur leicht durch. Das in den Parr St. Studios, Liverpool von Daniel Cavanagh und Andrea Wright aufgenommene Werk fügt sich eindringlich und still in das Gesamtwerk von Anathema ein, wagt in „Sunset Of Age“ sogar mit einem Songzitat des neuesten Stücks „Angels Walk Among Us'“ den Blick nach vorne. Selbst Sängerin Anneke van Giersbergen, die mit Anathema 2010 auf Tournee ging, hat ihre Stimme in „Alone“ und weiteren Liedern beigesteuert. Eine fruchtbare Zusammenarbeit – sie setzt sich immer wieder auf Live-Konzerten und auf Albumveröffentlichungen fort.

Fans der alten Anathema werden sicher von der klaren Sanftheit des Albums abgeschreckt sein. Aber eine kitschige Neufassung der alten Stücke ist „Falling Deeper“ auch nicht geworden. Viel eher ein sanfter und behutsamer Zugriff auf die eigene Geschichte, die dadurch nur veredelt zurückbleibt. Man darf wirklich gespannt sein, was von dieser Band noch kommt. Fans sind zu Recht begeistert, über das, was sie bis jetzt zu hören bekommen haben.

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