Anathema im Rückspiegel: Licht auf „We’re here because we’re here“

Die Engländer mit dem Faible für Engel kommen am 6. Oktober nach Leipzig. In diesem Jahr erschien ihr lang ersehntes neues Album, was zu einem echten Statement geriet. „We ‚re here because we’re are“ stellt eindrucksvoll unter Beweis, das Rockmusik keine Klischees braucht, um gut zu sein. Ein Artikel vom 21. August 2010 für die L-IZ.

Glockenhell perlen die Worte aus der Kehle von Vincent Cavanagh in „Thin Air“ zum Einstieg zu dem achten Album. Sieben Jahre hat es gedauert, bis Anathema wieder ein Studioalbum mit neuen Songs aufgenommen haben. Dieses Mal unter den Fittichen von Steven Wilson, der kein Geringerer ist, als der Mann hinter Porcupine Tree, Blackfield und anderen Projekten.

Scheinbar hat sich in den sieben Jahren zum bis dato letzten Werk „A natural disaster“ nichts geändert. Das ist ungewöhnlich für eine Band, die von Album zu Album ihren Sound neu erfand und sich weg vom düster grunzenden Doom Metal hin zu einer träumerischen Rockband entwickelte.

Anathema sind sich treu geblieben. Schon seit „Eternity“ 1996 justieren die Cavanagh-Brüder lediglich ihren Klang hin zur Perfektion aus. So auch auf dem aktuellen Werk, das Anhänger von Anathema in schiere Entzückung hinterlässt.

So stellen die Engländer auf „We ‚re here because we’re here“ eindrucksvoll unter Beweis, dass sie erdig treibende und stimmungsvolle Hymnen wie „Thin Air“, „Summernight Horizon“ und „Dreaming Light“ mit viel Gefühl schreiben können. Schnelle Pianoläufe, die hohe Stimme Vincent Cavanaghs scheinen die Botschaft des Albumtitels zu suggerieren: „Hier sind wir – schaut her, alles beim Alten.“

Das scheinen ihnen einige Szenemagazine nicht hoch anrechnen zu wollen, bieten Anathema keinen Aufguss dessen, was sie auf „Natural Disaster“ gemacht haben, welches wesentlich trauriger und teilweise aggressiver tönte als das zuversichtlichere „We ‚re here because we ‚re here“.

Mit ihrem neuen Werk haben Anathema eines ihrer abwechslungsreichsten und besten Alben ihrer nunmehr zwanzigjährigen Karriere geschrieben. In „A simple mistake“ graben sogar Anathema ihre härteren Wurzeln aus, was sie beim Vorgängeralbum schon mit „Violence“ eindrucksvoll zeigten.

„We ‚re here because we’re are here“ braucht nicht langer und großer Worte, um zu klären, dass Anathema hier ein großer Wurf gelungen ist. Freunde melancholischer Wechselstimmungen werden hier ebenso ihren Spaß finden, wie Anhänger traumhaft schön gesungener Balladen. Anathema kommen völlig ohne Klischee und Pathos aus und rücken ab und an sogar in die gedankliche Nähe von Bands wie Coldplay.

Wer aber immer noch denkt und hofft, dass Anathema wieder ein Album im Klanggewand der frühen Neunziger mit dumpf brütenden Gesängen und monotonen Schleifen schreiben, unterschätzt das musikalische Potenzial der Engländer gewaltig.

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