Kaffee statt Red Bull: Martin Axenrot (Opeth) im Interview

Metal ist auf dem Wave Gotik Treffen nicht mehr wegzudenken. Dass dieses Jahr auch die richtigen Gruppen dabei waren, war für Fans natürlich ein Glücksfall. Martin Axenrot, Schlagzeuger von “Opeth“ gab ein aufschlussreiches Interview von rund 45 Gesprächsminuten und erzählte einiges aus dem Nähkästchen.

Kann Death Metal wie Urlaub sein? Erst vergangenes Jahr hatten “Opeth“ ein neues Album namens “Watershed“ (zu deutsch Wasserscheide oder Wendepunkt) veröffentlicht. Damit hatten sie sich eigenen Angaben zufolge weiter entwickeln können. Die Band ist seit fast 20 Jahren erfolgreich mit ihrem Konzept aus technischem Anspruch, verschiedenen Einflüssen aus Jazz und Flamenco sowie Death Metal. Das beweisen gut gefüllte Tourneen und die Tatsache, dass man über die Gruppe immer noch spricht. Das Interview führten Daniel Thalheim und Philipp Halling.

Guten Tag Herr Axenrot, wie geht es Ihnen?

Gut. Danke der Nachfrage. Wir sind nur ziemlich müde von dem Jetlag, weil wir gestern erst aus den USA zurück gekehrt und gleich auf dem “Rock Hard Festival“ aufgetreten sind.

Sie sind doch nicht das erste Mal hier. Wann war eigentlich ihr erster Auftritt hier in Leipzig?

Weil ich noch “neu“ in der Band bin, kann ich dazu nicht viel sagen. Aber ich habe gehört, dass “Opeth“ bereits 2000 auf dem Wave Gotik Treffen“ gespielt haben.

Wie lange sind Sie bei “Opeth“ Mitglied?

Seit der Tournee zu dem Album “Ghost Reveries“ bin ich dabei. Das war 2005, wenn ich mich recht erinnere. Das Album habe ich nicht eingetrommelt, nur bei der Tour mitgemacht. Und seitdem bin ich hier.

Fühlen Sie sich geehrt, hier in Leipzig auf dem Wave Gotik Treffen zu spielen?

Absolut ja. Wir sind zwar keine “Gothic Band“, aber wir fühlen uns immer gut, wenn wir hier in Leipzig spielen können. Bei diesem Festival ist es schon was besonderes, weil man all diese kostümierten und aufgebrezelten Leute sieht und man denkst sich ‚Wow!‘, das gibt es auch. Toll.

Gefällt Ihnen Leipzig auch?

Klar doch! Wir waren sogar in dem Restaurant “Indian Garden“ in der Innenstadt essen. Großartiges Ding. Und Leipzig hat nette Leute.

Danke schön (lachende Runde). Gibt es hier gutes Catering?

Naja, darüber haben wir schon nachgedacht. Bis jetzt haben wir hier nur den Kaffee und das Wasser da drüben probieren können. Da steht auch Wein, sehe ich gerade.

Ändert sich das Catering, wenn Sie von Stadt zu Stadt ziehen?

Das kommt darauf an, wie der Veranstalter vor Ort drauf ist. Wenn nichts dasteht, gehen wir in ein Restaurant. Wichtig dabei ist, nicht zu viel zu essen. Das habe ich mal vor einer Show gemacht und beim zweiten Song kam alles wieder hervor. Ich musste aber weiterspielen. Mann, war das peinlich.

Gefällt ihnen die Organisation und die Fürsorge des Veranstalters hier?

Die Leute sind hier sehr nett und hilfsbereit. Wir sind bereits heute Morgen angekommen und haben Tonnen an Schlaf gebraucht. Wir werden hier gut betreut und alles ist richtig angenehm.

Hatten Sie schon Zeit gehabt außer unser bestes indisches Restaurant auch andere Sehenswürdigkeiten anzuschauen?

Klar. Ich habe mich mal in die Stadt gewagt und da diese wunderschöne Kirche gesehen, die unweit von hier steht. Die sah recht exotisch aus.

Hatte die diesen typisch russischen Stil?

Ja genau.

Dann war das die Russische Gedächtniskirche. Sie ist schon 90 Jahre alt.

Wow. Super Sache. Nebenan ist auch dieser wunderschöne Park. Ist das mal ein Friedhof gewesen? Der sieht richtig gut aus.

Ja, das war mal ein Friedhof. Lohnt sich mal länger dort zu bleiben für eine Fotosession mit der gesamten Band. Für eine Metalband genau das richtige, aber unser Südfriedhof ist noch „gotischer“.

Dann werden wir das nächste Mal dahin gehen müssen (Lächelt).

Dass Sie hier spielen, wer hat das eigentlich in die Wege geleitet?

Unser Management ist für all das verantwortlich. Natürlich wollten wir bevor wir nach Hause fahren nach der US-Tour noch ein paar nette Festivals mitnehmen, wie eben das “Rock Hard-Festival“ und das “Wave Gotik Treffen“.

Wie war das “Rock Hard Festival“?

Ziemlich gut. Wir waren dort auch der Headliner. Heute sind wir auch als letztes dran. In sechs Stunden sind wir dran (Axenrot schaut währenddessen auf den Auftrittsplan). Nach der US-Tour, wo wir jeden Tag dieselbe Setlist spielen, ist ein Festivalauftritt wie dieser hier eine willkommene Abwechslung. Dann können wir auch mal was anderes spielen, als auf der Tour.

Ändern Sie ihre Setlist, bzw. Liedauswahl auf der Tournee?

Es kommt darauf an, wie lang unser Auftritt ist. Wenn wir nur eine Stunde spielen dürfen, dann sind es vielleicht gerade mal fünf Stücke, die wir spielen können. Und bei unserer Menge an Liedern, fällt uns die Auswahl manchmal schwer.

Dann darf ihr Frontmann nicht so viel auf der Bühne reden, oder?

(Lachen) Das wird Mikael (Akerfeldt) echt schwer fallen.

In Berlin hatte Mikael auf der Bühne gewitzelt, dass ihr Bassist zu viele Kekse isst. Was hatte es damit auf sich?

Ja, (Lacht). Unser Bassist isst zu viele Kekse. Deswegen wird er immer fetter.

Eure Stücke sind sehr kompliziert aufgebaut. Funktioniert das auch live?

Ja, natürlich. Wir üben sie sehr oft. Dann klappt es auch schon. “Lotus Eater“ funktioniert sehr gut. Der Song wird langsam eines unserer Klassiker.

Das ist doch das Stück mit dem “funky“ klingenden Abschnitt drin?

Ja, das ist richtig (lautmalert wie das klingt).

Haben Sie eigentlich Lieblingsstücke, die Sie bei Konzerten sehr gerne spielen?

Ich mag sehr die dynamischen Songs. Für mich ist es beispielsweise “Closure“. Es ist wie eine Jam-Session. Ich kann da mehr frei spielen, als sonst.

Was können Sie über die Aufnahmen zu ihrem letzten Album “Watershed“ erzählen?

Wir haben für die Aufnahmen 7 Tage gebraucht. 12 bis 14 Stunden am Tag. Es ging früh los und ging bis spät in die Nacht. Ich mag es so intensiv. Man ist vollkommen auf etwas fokussiert und blendet alles um sich herum aus. Wir hatten natürlich auch Pausen zwischendurch, zum Ausruhen und Essen.

Einige Schlagzeuger erzählen, dass sie lieber Red Bull trinken um so was durchzuhalten. Wie ist es bei Ihnen?

Ich bevorzuge Kaffee. Ab und zu etwas zu essen, damit man die Kondition hat, um zu spielen. Schlagzeug spielen erfordert ja einen enormen Kraftaufwand. Ich mag es überhaupt nicht zu nah vor dem Auftritt zu essen, wie es manche Bands tun. Denn mir steht das Essen bis zum Hals. Außerdem bin ich zu aufgeregt. Lieber eine Banane, oder Apfel und viel Wasser. Kein Alkohol. Da dehydriert man schnell.

“Watershed“ mal ganz anders, oder? Wie ist eigentlich der Albumtitel gemeint?

(Axenrot lacht laut) Bestimmt nicht so, aber der Gedanke gefällt mir. Aber nein. Die Titel entstehen aus sich heraus, wie Mikael seine Texte schreibt. Die sind immer sehr persönlich und nur er könnte auch zu deiner Frage gezielt eine Antwort geben. Ich leider nicht.

Wohin verschlägt es euch nach diesem Konzert?

Oh, das weiß ich nicht. Darum mache ich mir keine Gedanken. Das erledigt und organisiert alles unser Tourmanager. Weißt du, wir sind seit April auf Tour. Wir sind da jeden Tag in einer anderen Stadt. Da bleibt nicht viel Zeit sich darauf einzustellen.

Was war dein schlechtester Auftritt?

Ach, die schlechtesten Auftritte sind meist die, wenn es Probleme mit dem Sicherheitsdienst gibt. Ich musste während der US-Tour an die Geschichte denken, wo Dimebag Darrel auf der Bühne aus dem Publikum heraus erschossen wurde (Darrell Lance Abott war Gitarrist der Thrash Metal-Band “Pantera“ und wurde am 8. Dezember 2004 in Columbus/Ohio während eines Auftritts seiner Band “Damageplan“ erschossen. Außer dem Gitarristen wurden vier weitere Menschen Opfer dieses Amoklaufs, Anm. d. Verf.). Da spielt die Angst mit während man spielt. Jeden Moment könnte jemand kommen und was Schreckliches tun. Da fehlt es oft an Konzentration für das Spiel und das sind meine persönlich schlechtesten Auftritte.

Sehen Sie vom Schlagzeug auch in die Gesichter der Fans und sehen Sie ihre Reaktionen?

Ja, manchmal, wenn die Lichter in das Publikum blenden. Dann kann ich auch die Gesichter sehen. Das baut mich jedes Mal auf, wenn ich sehe, dass sie sich freuen und mitmachen. Es ist echt inspirierend. Manchmal sehe ich ein Gesicht und erinnere mich, dass ich ihn oder sie schon mal woanders gesehen habe.

Sind das dann Groupies?

Oh nein. Groupies haben wir nicht. Wir haben alle unsere Freundin und Ehefrau zuhause.

Soll ich das Diktiergerät ausmachen?

(Axenrot lacht laut) Nein, das brauchst du nicht. Wir sind vielleicht den Mädchen nicht hübsch und jung genug, dass wir Groupies haben könnten. Nein, bei uns gibt es wirklich so etwas nicht. Zu alt.

Wie alt sind Sie eigentlich, wenn ich fragen darf?

Naja, Mikael ist 35, hat eine Frau und zwei Kinder. Martin (Mendez, Bass) ist 31 Jahre alt und hat eine Freundin und ein Kind. (Per (Wiberg, Keyboard) ist 40 und hat auch eine Freundin. Fredrik (Akesson, Gitarre) ist 36 oder 37 Jahre alt und hat auch eine Ehefrau. Und ich bin 30 Jahre alt und habe eine Katze (lacht).

Mich interessiert, wie der Unterschied ist zu ihrer Schlagzeugarbeit und die ihres Vorgängers Martin Lopez ist. Können Sie dazu etwas sagen?

Schwierig. Eigentlich spiele ich die Stücke so, wie sie auf CD zu finden sind. Aber manchmal habe ich Freiheiten, wie bei “Closure“. Du kannst aber auch den Unterschied hören, wenn du “Watershed“ hörst und dir das Vorgänger-Album anhörst. Auf der Bühne kannst du auch hören, dass ich anders spiele. Es kommt auch auf die Live-Situation an, ob ich ein Stück genau wie auf CD spiele, oder eben etwas variiere. Lopez und ich haben andere Hintergründe zu unserem Spiel, das macht wohl den Unterschied aus.

Wie sieht ihre Setlist aus für euren heutigen Auftritt?

Wir werden mit “Heir Apparent“ eröffnen, dem zweiten Song unseres neuen Albums. Dann geht es weiter mit “Ghost Of Perdition“ vom “Ghost Reveries“-Album, dann denke ich mit “Leper Affinity“ vom Album “Blackwater Park“ und dann werden wir “Hessian Peel“ vom neuen Album spielen. Dann kommen “Closure“ vom Album “Damnation“ und “Lotus Eater“ von “Watershed“. Sieben Stücke.

In Berlin hat Mikael Akerfeldt ein Gitarrenriff von “Venom“ gespielt. Machen Sie das auch mal öfter, dass Sie live auch mal eine Coverversion spielen?

Eher nicht. Aber wir haben “Soldier Of Fortune“ vor vier Jahren mal live gespielt. Das ist der Bonustrack auf dem “Ghost Reveries“-Album. Das Stück stammt ursprünglich von “Deep Purple“. Sonst eher nicht. Denn wenn wir in einer Zwei-Stunden-Show eine Coverversion ständig spielen würden, sind wohl die Fans enttäuscht. Denn unsere eigenen Songs sind schon ziemlich lang.

Wenn Sie so viel bei “Opeth“ spielen, dann haben Sie bestimmt kaum noch Zeit für andere Gruppen, oder?

Zusammen mit Mikael spiele ich noch bei “Bloodbath“ mit. Außerdem bin ich noch mit “Witchery“ am Start.

Wie oft sind Sie mit “Bloodbath“ aufgetreten letztes Jahr?

Wir spielten vergangenes Jahr zwei, nein drei Auftritte mit “Bloodbath“. Dieses Jahr wird das wohl nichts, weil wir alle mit unseren Hauptbands zu tun haben. Aber nächstes Jahr könnte wieder der eine oder andere Auftritt mit “Bloodbath“ drin sein. Mal sehen.

Anders Nyström, der ja auch bei “Bloodbath“ Gitarre spielt hat mal in einem Interview gesagt, dass “Bloodbath“ für ihn wie Urlaub sei. Verglichen mit dem, was er mit seiner Hauptband “Katatonia“ macht. Sehen Sie das ähnlich?

Sicher. “Bloodbath“ ist eine extreme Death Metal-Band. Mit Urlaub hat es sicher nicht zu tun, wenn du zwei Wochen lang im Studio bei Aufnahmen bist und dann für mehrere Monate auf Tour. Dann kann so eine Abwechslung mit “Bloodbath“ sicher wie Urlaub sein, wenn man sich den Kopf von der Studioarbeit freiblasen möchte.

Letztes Jahr “Watershed“, in fünf Jahren ein neues Album?

Ich denke, dass Mikael nächstes Jahr beginnen wird, neue Songs zu schreiben. Vielleicht können wir 2011 schon was konkreteres sagen.

Wie fallen bis jetzt die Reaktionen über “Watershed“ aus?

Ziemlich gut. Mit mir und Gitarrist Fredrik sind ja zwei neue Gesichter dabei. Die Leute haben sich natürlich gefragt, wie das Ergebnis klingen wird. Aber bis jetzt haben sie positiv reagiert. “Ghost Reveries“ war auch ein sehr gutes Album. Vielleicht hat “Watershed“ mehr Verbindungspunkte mit “Blackwater Park“. Aber eher am Klang, der auf diesen beiden Alben natürlicher klingt. Aber letztlich ist es eine Sache des persönlichen Geschmacks, welches Album einem am besten gefällt. Dann kommt es immer darauf an, aus allen Alben eine gute Auswahl zu treffen, die wir live spielen können. So dass wir eben alte Fans und auch neue Fans glücklich machen kann.

Was ist denn ihr persönliches Lieblingsalbum von “Opeth“?

(Lacht) Am meisten mag ich das “Watershed“-Album. “Blackwater Park“ ist ein ziemlich gutes Album, wie ich finde. Eigentlich mag ich jedes Album. Für mich persönlich ist “Blackwater Park“ mein Favorit, weil ich “Opeth“ 2002 auf einem Festival gesehen habe und das war glaube ich zu dem Zeitpunkt nachdem “Blackwater Park“ erschien. Für mich war das damals wie heute eine sehr gute Live-Band mit so vielen Facetten. Einfach genial.

Können Sie sich noch auf den Auftritt 2006 auf dem With Full Force erinnern, wo Sie nach “Motörhead“ im Zelt spielten?

Oh ja, ich erinnere mich. Seltsame Organisation dort. Wir hatten zu dem Zeitpunkt als “Motörhead“ spielten eine Autogrammstunde in der “Tent Stage“. Es war so laut und jemand hatte uns Flyer von “Gorefest“ (eine holländische Death Metal-Band, Anm. d. Verf.) zum Unterschreiben hingehalten (lautes Lachen). Dann hatten wir bis 1 Uhr nachts gewartet, bis wir auftreten konnten. Die Fans waren müde, oder hatten ausgelassen gefeiert. Wir waren auch müde, weil wir von einer ausgedehnten Tournee kamen. Die Kombination war wirklich seltsam für diesen Auftritt. Hier treten wir Gott sei Dank gegen 23 Uhr auf. Das ist definitiv besser für uns.

Können wir ihre Drum Sticks von Ihnen signieren lassen?

Ja, na klar. Kein Problem. Kommt mit.

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