Interview-Klassiker mit Lacrimosa: Tilo Wolff im Gespräch

Drei Jahre ist es schon her als ich mit Tilo Wolff telefonisch ein Gespräch führte. Der Sänger der deutschen Gothic-Rockband Lacrimosa entpuppte sich als redseliger und feinfühliger Zeitgenosse mit dem man gern plaudert. 2009 stand das Album „Sehnsucht“ auf dem Programm. Im Herbst des selben Jahres war die Band auch in Deutschland unterwegs. Ein gern gesehener Gast auch in Leipzig.

„Lacrimosa“ gilt wohl weltweit als erfolgreichste Gothic Band aus dem deutschsprachigen Raum. Die 1990 gegründete Gruppe um Bandkopf Tilo Wolff wird in der schwarzen Szene zu den Begründern der so genannten „Neuen deutschen Todeskunst“ gezählt, wo auch beispielsweise „Das Ich“ dazu zählen. Der Name „Lacrimosa“ ist das lateinische Wort für „tränenreich“ und findet sich vor allem in liturgischen Liedern und Texten des Hochmittelalters wieder. Seit 1991 veröffentlicht „Lacrimosa“ regelmäßig Alben, wobei das 1995 veröffentlichte Album „Inferno“ wegen seiner Metal-Ausrichtung und ihrer Single „Copycat“ der internationale Durchbruch für die Band bedeutet.

Hallo Herr Wolff, wie geht es Ihnen bei so einem Interviewmarathon für ihr neues Album „Sehnsucht“?

Das gehört einfach dazu, wenn man Musik macht. Es ist schon Automatismus.

Machen Sie die Promo-Arbeit gern?

Hmmm, ich stehe schon lieber auf der Bühne oder bin im Studio. Genau genommen habe ich gerade meine Studioarbeit unterbrochen und habe mir für die Interviews heute einfach mal die Zeit genommen. Wie gesagt, es gehört einfach dazu. Das ist ganz klar so, dass ich möchte, dass die Musik nicht in meiner Schreibtischschublade ist, sondern auch bei den Menschen Gehör findet. Dazu muss man die Musik publik macht und dazu gehört auch die Promo-Arbeit.

Vier Jahre gab es von „Lacrimosa“ außer dem Live-Album „Lichtjahre“ nichts zu hören. Was haben Sie außer dem Live-Album noch unternommen und gemacht?

Wir waren in dieser Zeit sehr aktiv. Wir waren sehr viel in Mittelamerika und Asien auf Tour. In Russland waren wir dreimal. Auf der einen Seite waren wir sehr viel auf Tour und auf der anderen Seite sehr viel im Studio. Seit Dezember 2007 haben wir an „Sehnsucht“ gearbeitet. So war diese Zeit, wo wir das Studioalbum geschrieben und aufgenommen haben relativ dicht gepackt.

Sie veröffentlichen das Album „Sehnsucht“ mit sechs Songvarianten in einer speziellen Edition. Nach vier Jahren Sendepause gehen Sie aber richtig ran, oder? Was hat das mit den sechs Songvarianten auf sich?

Es ist so, dass beim produzieren verschiedene Ideen bei einem Song hatte, die ich gerne ausprobieren wollte ohne die Originale verwerfen zu müssen. Daraus entstand die Idee eine reguläre CD zu machen und eine zusätzliche, die eben verschiedene Varianten des Songs aufzeigt. Deswegen hat das Cover der Special Edition von „Sehnsucht“ eine etwas andere Farbe, weil es etwas untypisches für uns ist. Sozusagen die Kirsche auf der Sahnetorte (Lacht).
Wann haben Sie mit dem Songwriting und den Aufnahmen für „Sehnsucht“ begonnen und wann vollendet?

Im Prinzip hat das Songwriting im Dezember 2007 gleichzeitig mit der Produktion angefangen. Es wurde im Prinzip gleichzeitig komponiert und aufgenommen. Wenn ich also am Klavier saß, dort komponierte, schrieb und spielte, habe ich es direkt aufgenommen, wenn mir etwas davon gefallen hat. Mein Studio habe ich dafür vorbereitet, dass ich entsprechend ad hoc aufnehmen kann. So bald ich merkte, dass gerade etwas gutes passiert, konnte ich sofort auf „Record“ drücken und aufnehmen. Das ist eine interessante Art und Weise zu arbeiten, weil man während des Komponierens gleichzeitig ein Teil der Songs schon fertig aufgenommen hat, wie es dann auch auf Platte sein wird. Der Rest des Songs ist aber noch nicht komponiert, so dass man nicht weiß, wie dieser Teil der Reise aussehen wird.

Das klingt nach einem sehr spontanen Aufnahmeprozess, auch wenn er sich über einen langen Zeitraum erstreckt, oder? Das hört man auch an den Songs, wie ich finde.

Ja absolut, das geht mir auch so. Ich denke, die Spontanität hört man den Songs an. Ich finde, man hat bei dieser Art des Aufnehmens keine selbstauferlegte Selbstzensur und keine Möglichkeit über den aufgenommenen Teil des Songs nachzudenken. Man kann also direkt aus den Emotionen schöpfen. Darum geht es bei der Musik auch. Ich will ja keine verkopfte Musik machen und demzufolge ist das eine spezielle Art und Weise ein Album zu produzieren. „Sehnsucht“ wird deswegen in der Lacrimosa-Diskographie einen speziellen Stellenwert inne haben.

Weshalb haben Sie ihr Album „Sehnsucht“ genannt? Es wird sicher um Sehnsucht gehen, aber welcher Art ist diese bei Ihnen und speziell für ihr Album?

Es geht mir darum, die verschiedenen Facetten der Sehnsucht widerzuspiegeln. Wenn man über Sehnsucht nachdenkt, kommt man auf zwischenmenschliche Sehnsucht, Menschen, die sich verloren haben, respektive nicht gefunden haben. Eben Menschen, die eine Sehnsucht zueinander verspüren, oder Sehnsucht nach körperlicher und emotionaler Zuneigung. Es gibt auch deutlich mehr Sehnsüchte. Die wollen wir auf unserem Album betrachten. Das fängt natürlich zuerst mit der zwischenmenschlichen Sehnsucht an. Es geht dann auch weiter mit der Sehnsucht nach Fernweh, Neuentdeckung, nach der Möglichkeit Dinge abschließen zu können und neue Projekte zu starten. Wie eben im Song „Mandira Nabula“. Es geht auf diesem Album auch um die Sehnsucht der Rache. Das ist nämlich im Song „Feuer“ zum Ausdruck gebracht. Es gibt auch die Sehnsucht des Loslassens, also der Gegensatz zu der Sehnsucht nach einem anderen Menschen. Das hört man auf „A Prayer For Your Heart“. Wir thematisieren auch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit. Sprich, dass man die Dinge so erkennt, wie sie in Wahrheit sind und nicht so wie sie aus der eigenen Wahrnehmung heraus, der persönlichen Erziehung, des Umfeldes unterliegt. Also, dass man Dinge wahrnimmt, wie sie ausgesendet werden und nicht wertet.

Bei welchem Song wird das bei Ihnen thematisiert?

Bei „Coma“. Aber um das Thema generell abzuschließen, Sehnsucht an sich ist nur eine Brücke. Sehnsucht ist ja nichts eigenes, sozusagen. Es ist etwas, das uns greift aber es muss immer ein Ziel geben. Ohne Ziel, ohne gewisse Fixpunkte der Sehnsucht, kann ich selbst gar nicht aktiv werden. Demzufolge ist die Sehnsucht nur eine Brücke, die uns zu etwas führen soll. Und dabei gibt es viele Menschen, die ihrer Sehnsucht nicht Herr werden und sich davon versklaven lassen, sich untertan machen. Dann wird es gefährlich. Aber Sehnsucht kann aber eine wunderbare Kraft sein. Würde man Sehnsucht mit erneuerbarer Energie vergleichen, wäre Sehnsucht sehr umweltschonend.

Wenn ich mir den Titel „Krasnodar“ anhöre, dann wird sicherlich auch Fernweh eine Sehnsucht sein?

Jein, einerseits natürlich, weil dieser Titel mein persönliches Souvenir von unseren vielen vielen Tourneen ist. Es ist schon die Verbundenheit mit allem, das man erlebt hat. Im wesentlichen geht es in diesem Song über ein bestimmtes Erlebnis, das wir in Krasnodar hatten und ich festhalten wollte. Im Prinzip handelt der Song aus einer Mischung aus Fernweh und einem dort erlebten spannenden Moment.

Ich weiß aus meinen wilden Metal-Zeiten, dass Anfang der Neunziger bei Ihnen die Band „X-Wild“ gespielt hatte. Wer war diesmal als Band verpflichtet?

Damals hat nicht die gesamte Band mit gespielt, sondern nur der Drummer von „Running Wild“, der dann auch bei „X-Wild“ getrommelt hatte. Er hatte einige Jahre bei uns mit gespielt. Auf „Sehnsucht“ habe ich die meisten Instrumente allein aufgenommen, wie Bassgitarre, alle Tasteninstrumente sowie Trompete. Das Orchester, das hier mitmacht ist die „Spielmann Schnyder Philharmonie“ mit der wir … (überlegt und schnalzt mit der Zunge) zum ersten Mal 1999 zusammen gearbeitet haben. Wir hatten danach immer wieder mit ihnen zusammen gearbeitet. (das war nach Angaben auf der „Lacrimosa“-Homepage erst 2001 bei dem Album „Fassade“ der Fall und 2003 auf „Echoes“, Anm. d. Verf.)

Sie verwenden deutsche und englische Sprache in ihren Texten. Von Bands wie „Die Art“ kenne ich das auch. Weshalb wird das gemacht?

Die deutsche Sprache verwende ich zunächst einmal, weil ich das von Anfang an so handhabe. Ich will nicht nur Musik machen, der Musik wegen. Sondern ich wollte von Anfang an den Texten eine weitere Dimension verleihen. Und da die Texte sind auf deutsch, weil man zunächst in seiner Muttersprache schreibt, wenn man nicht an eine weltweite Veröffentlichung denkt. Es ist allerdings auch so, dass es gewisse Dinge gibt, die man it der deutschen Sprache nicht ausdrücken kann. Die deutsche Sprache bietet vieles an Ausdruck aber eben nicht alles. Deswegen habe ich angefangen bei Titeln wie „Copycat“ auf Englisch zu schreiben. Bei Titeln wie diesen würde es ins Deutsche übersetzt nicht so spannend klingen. Auch bei neuen Titeln kann man die englischen Zeilen nicht auf deutsch singen. Das geht einfach nicht. Aber im Großen und Ganzen sprudelt es in meiner Muttersprache aus mir heraus.

Sie singen mit Anne Nurmi im Duett. Wie kommt es, dass gerade vorrangig in der „Gothic-Szene“ sowohl Frau als auch Mann gleichberechtigt singen?

Das hat aus meiner Sicht nichts mit der Gothic Szene zu tun. Das hat damit zu tun, dass ich mit Leonhrd Cohen aufgewachsen bin, der früher auch mit Jennifer Warnes und anderen Sängerinnen zusammen gearbeitet hatte. Das war meine Inspiration. Das haben sich vielleicht wohl andere bei „Lacrimosa“ abgeschaut, aber das hat ursprünglich gar nichts mit der Gothic Szene zu tun gehabt. Das ist aus meiner Liebe zur Musik von Leonard Cohen entstanden.

Das ist auch dein frühester musikalischer Einfluss?

Ja, genau.

Was ist mit den üblichen Verdächtigen wie Dead Can Dance?

(Atmet lange durch) Naja, gaanz früher mal (lacht). Das weiß ich schon fast gar nicht mehr, so lange ist es her. Es gibt ja immer welche, die immer etwas besonderes mit Bands wie diesen verbinden. Ich war eher mehr so in Richtung Gitarre, Metal. Also alles, was so in Richtung härtere Gangart war. Ich mag es jedenfalls nicht, wenn die Musik emotional fließt, aber nicht zur Sache kommt.

Wenn Sie schon auf härtere Sachen stehen, kam sicher aus dieser Warte heraus vor zehn Jahren auch das Album „Endorama“ von Kreator zustande. Hat es Sie überrascht, wie engstirnig manche Reaktion darauf war?

Ja, das hat uns – also Mille (Petrozza, Frontmann von Kreator, Anm. d. Verf.) und mich – sehr überrascht. Ich war ja nur am Rande, aber Mille war noch mehr überrascht, weil er damit nicht gerechnet, dass man so auf sein damaliges neues Album reagiert. Ich glaube, er war mit den Reaktionen nicht sehr glücklich. Man macht ja als Musiker kein Album, um die Erwartungshaltungen von Leuten zu bedienen, sondern weil man dahinter steht.

Ich weiß, dass er „Endorama“ wie alle Alben sehr mag und dieses Album schon mit Sinn und Verstand gemacht hat. Abgesehen davon finde ich es großartig. Es ist natürlich so, dass man etwas macht und das Publikum reagiert extrem darauf, ob negativ oder positiv. Einfach ausgedrückt, wenn ich mir eine Schinken-Pizza bestelle und ich bekomme eine mit Thunfisch, dann ärgere ich mich zunächst einmal. Ich habe also konkret eine Bestellung aufgegeben.

Aber wenn ich eine Platte von einer Band kaufe, dann habe ich keine Bestellung aufgegeben, sondern ich hoffe, dass die Band in etwa meinem Geschmack entspricht. Aber ich habe keinen Anspruch darauf, dass sie exakt das liefert, was ich erwarte. An dieser „Pizza“ esse ich ja nicht allein, es essen ja weltweit tausende Leute daran. Es ist also relativ rücksichtslos zu sagen, „Gefällt mir nicht, ist Scheiße“.

Ich kann natürlich verstehen, wenn das Publikum enttäuscht ist, wenn ihnen das neue Album nicht gut gefällt. Ist mir auch so gegangen bei Bands, di eich mochte und ich Jahre lang Alben gekauft habe, die mir nicht gefallen. Irgendwann ist aber etwas wieder dabei, das wieder meinen Geschmack trifft. So ist das nunmal. Das ist die Freiheit des Künstlers. Man hat die Entscheidung, ob man sich die neuen oder die alten Scheiben anhört.

Daraus ergibt sich bei mir die Frage, ob Sie sich in Zukunft ähnliche Projekte vorstellen können?

Ja, ich mache ganz verschiedene Sachen. Nummer eins ist gewesen, dass ich mal mit Joachim Witt einen Song gemacht habe. Vorletztes Album habe ich mit ihm ein song geschrieben und im Duett mit ihm gesungen. Ich habe da noch das Projekt „Snakeskin“ (2004 gegründet, Anm. d. Verf.) und noch anderes, woran ich arbeite. Da ist immer wieder was. Das muss auch so sein. Ich will nicht nur alleine auf eine Band konzentrieren, weil das irgendwann mal langweilig würde. Lacrimosa mache ich nun 19 Jahre, und ich will einfach die Begeisterung halten. Die kann ich nur behalten, wenn ich ab und an mal „Ferien“ mache.

Sie beginnen ihre Tournee in Mittel- und Südamerika. Was können Sie darüber erzählen, weshalb starten Sie dort und nicht in Europa?

Das hat sich so ergeben. Es würde nicht viel Sinn machen, in Europa jetzt zu touren, weil die Festivalsaison los gegangen ist. Es macht also mehr Sinn erst auf der Südhalbkugel anzufangen, über Asien weiter zu machen und im Herbst nach Europa zu kommen. Das hat auch den Vorteil für die Europäer, dass wir eingespielt sind (lacht).

Dann ist ihr Nachhauseweg auch nicht so lang, oder?

Genau.

Ist die Gothic-Szene in Mittel- und Südamerika tatsächlich so groß?

Ja das hat sich dort entwickelt. Als wir 1998 zum ersten Mal in Mexico gespielt haben, da kannten die uns noch gar nicht so richtig. Da gab es in diesem sinn noch gar keine Gothic Szene dort. Aus dieser Szene hat auch noch keine Band in diesem Teil der Welt gespielt. So standen bei unseren ersten Auftritten da die Leute in irgendwelchen AC/DC-T-Shirts. Dort gab es zwischen Metal, Gothic und Indie überhaupt noch keine Szenetrennung. Alles war Alternative. Das hat sich erst nachdem wir dort gespielt hatten erst entwickelt. Im darauf folgenden Jahr als wir dort waren, kamen die Fans schon mit Lacrimosa-Shirts, haben sich ein wenig was abgekuckt, und so (lächelt). Das hat sich über die Jahre entwickelt al swir auch mit anderen Bands dort auftraten. Inzwischen weiß man doch schon dort, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Gothic und Metal.

Was ja mittlerweile wieder verschwimmt teilweise.

Wobei es in der Zeit vor ungefähr zehn Jahren doch so war, dass wir damit angefangen haben Gothic und Metal zusammen zu bringen. Wir hatten in Deutschland Festivals veranstaltet, wo wir Gothic- und Metalbands haben auftreten lassen. Das hat auch zu Schlägereien geführt, aber das war der erste Anfang. Das war 1996. Weil wir mit Lacrimosa relativ hart unterwegs waren. Ich kann mich an 1994 erinnern, wo wir mit „Schakal“ an die Clubs heran getreten sind und uns die Metal-DJs gesagt haben, dass sie das nicht spielen würden. Das sei viel zu düster, die Gothic-DJs sagten uns, dass wir zu hart seien, das ist Metal. Wir sind im Prinzip zwischen den Stühlen gewesen, und wir hatten so gesehen versucht, beide Szenen zusammen zu führen. Das hatten wir sozusagen auch in Südamerika gemacht.

Wenn Sie die Szene in Mittel- und Südamerika sich haben entwickeln sehen, können Sie auch Vergleiche ziehen mit der europäischen Szene? Kürzlich war ich auf dem Wave Gotik Treffen und dort ging es ziemlich vielfältig zu.

Hmm, ja. Es gibt da zwei Entwicklungsstränge. Auf der einen Seite wird das immer größer, die Übergänge zwischen den verschiedenen Musikstilen oder Szenen werden fließender. Das kann natürlich auch sein, dass man auf dem WGT einen Metaller ebenso wie einen Hardcore-Goth hin zum Punk alles trifft. Es gibt aber innerhalb der Szene immer mehr Abspaltungen. Obwohl man meinen könnte, man wächst mehr zusammen durch das Vergrößern und den fließenden Übergängen. Das Gegenteil ist der Fall. Man grenzt sich weiter voneinander ab. Das ist ganz automatisch. Kuck mal, wenn zwei Fußballmannschaften gegeneinander spielen, dann hält man doch zu seiner Mannschaft. In dem Moment, wo eine Nationalmannschaft gegen eine andere spielt, dann kann auch jemand in der Nationalmannschaft sein, der vorher in einem Club spielte, den man am Tag vorher ausgebuht hat. So fightet Club gegen Club, Land gegen Land und dann steht Kontinent gegen Kontinent. Genauso muss man sich das für die Szene vorstellen. Je größer eine Gruppe wird, umso kleiner sind die Abgrenzungen in sich. In der Gothic Szene kann es zum Beispiel zu massiven Ausschreitungen zwischen Gitarren- und Elektro-Gothics kommen. Wie halt in der Metalszene zwischen Death Metallern und Power Metallern. Der Metaller in der Form wie vor zwanzig Jahren gibt es ja gar nicht mehr. Das ist im Prinzip schade, man spielt vor man sei eine große Szene, man sei tolerant. Aber in Wahrheit grenzt man sich mehr und mehr voneinander ab.

Zum Schluss noch ein paar leichte Fragen. Was sind die schönsten Orte und Situationen auf der Welt, die Sie mit „Lacrimosa“ erlebt haben?

Mein schönstes Erlebnis war es mit Lacrimosa Gothic, Metal oder was auch immer nach Lateinamerika zu bringen und die erste Band gewesen zu sein, die dort aufgetreten ist. Und das gleiche ein paar Jahre später in China. Das spezielle daran ist, dass man dort Vorreiter ist und vor allem mit einer Band, die deutschsprachig ist. Im Moment ist es schön zu erleben, dass Menschen, die diese Sprache nicht sprechen, deutlich lauter die Texte mitsingen, als man jemals zuvor in deutschsprachigen Ländern erlebt hat. Das sind schon Erlebnisse, die man nicht mehr vergisst.

Lacrimosa gibt es nun fast zwanzig Jahre. Was möchten Sie mit „Lacrimosa“ noch erreichen?

Nun ja, inzwischen hat man ja Zeiten, wo kaum noch jemand Platten kauft. Das ist ja der Grund, um Musik machen zu können. Wenn niemand mehr was kauft, hat man kein Geld mehr, um eine Platte aufzunehmen, das Studio zu bezahlen, die Musiker und die Pressung zu bezahlen. Sprich, es ist unmöglich eine CD zu machen. Du ich mein, vor ein paar Wochen ist eines der größten Metallabels – SPV – pleite gegangen. Daran sieht man ja, wie traurig die Situation ja ist. Demzufolge ist mein Ziel, weiterhin Musik machen zu können. Und zwar auf einem Level, wo ich weiterhin mit Orchester und Chören und so weiter arbeiten kann. Das ist das, was ich erreichen will.

Wenn ihre Tournee im Herbst abgeschlossen ist, was kommt dann?

Es wird dann weiter gehen. Ich habe ja vorhin erwähnt, dass ich an weiteren Musikprojekten arbeiten werde. Die werden natürlich alle brach liegen, wenn ich auf Tour bin. Und da werde ich sofort weiter machen, wenn ich zu Hause bin.

Bereiten Sie ihr 20 – jähriges Bandjubiläum vor?

Da habe ich eigentlich jetzt keine großen Pläne. Ich habe eigentlich keine Zeit mir dafür was auszudenken (lacht).

Dann sind wir schon am Ende unseres Interviews angelangt. Ich wünsche Ihnen und Anne Nurmi viel Erfolg für ihr Album „Sehnsucht“ und ihre anstehende Tournee.

Ja, Dankeschön. Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Tschüss.

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