“Tristesse de la Lune“: Mein erstes Wave-Gotik-Treffen 2009 (1)

Hauptsache anders sein! Seit 1992 trifft sich die weltweit vernetzte Gotik-Schar in Leipzig. Aufgewachsen in Leipzig, konnte ich jedes Pfingsten beobachten, wie nach und nach schwarze, “uniformierte“ und duftende Massen eintreffen – mal billig gekleidet, mal sehr geschmackvoll.

Manchmal auch sexy. Die schwarze Eroberung ist ein schleichender Prozess, der eigentlich schon einige Tage zuvor einsetzt. Dort ein schwarzer Klecks, da ein Grüppchen mit Zylinderchen und Lackhosen. Und die Haltestelle riecht nach Patch.., äh Pach… – halt eigentümlich süß und bißchen modrig eben.

Für mich als langjähriges Mitglied der Heavy-Metal-Gemeinde alles etwas obskur. Denn bin ich doch ausgewaschene T-Shirts, zerrissene Jeans und Cargo-Hosen sowie infernalisch laute Klänge und viel Gebrüll gewohnt. 2009 wurde alles anders, denn damals tauchte ich ein erstes mal mitten hinein in die Szene. Wenn ich auch 2004 My Dying Bride an der Parkbühne zuhörte und zusah wie ein Puhdys-Fan in der Musik der britischen Trauerweiden-Metaller versank.

Mit Metal-Bands wie “Hollenthon“ und “My Dying Bride“ war 2009 ja direkt was für meinen persönlichen Geschmack dabei. Aber daneben reizten und reizen mich auch andere Musikspielarten. Okay, ich kenne “The Cure“ und “Fields Of The Nephilim“, weil mich Aussehen, Klangfarbe und Inhalte interessieren. Bei “The Cure“ finde ich zumindest textlich verarbeitete Verlorenheit, Sehnsucht und unerfüllte Liebe. Themen, die in anderer Machart auch im Heavy Metal auftauchen. Da komme ich schnell bei so genannten Gothic-Metal-Gruppen wie “Paradise Lost“ und “My Dying Bride“ an. Geht es dort auch um literarische Rezeption, persönliches Versagen und Ängste. Sind das Gründe, dass auch Metalbands beim Wave Gotik Treffen spielen? Hauptsache dunkel und finster?

Was macht das “Wave Gotik Treffen“ so faszinierend? Ist es die Stimmung, irgendwie dazu zu gehören, oder die selbst auferlegte Informationssperre des Festivals, die alles so geheimnisvoll macht? Verkleiden sich die “Gruftis“ alle nur an einem Wochenende wie diesem um einfach mal zu feiern? Was machen sie eigentlich außerhalb ihrer Szene-Spielwiese? Was sind das für Leute? Wie schaffen sie es nur, trotz Zelten so schmuck auszusehen? Welche Veranstaltungen sind angesagt in der Szene? Und geht es dort wirklich nur um die Musik, oder steckt anderes dahinter? Sind die mancherorts gezeigten tiefe Blicke wirklich so provozierend? Fragen über Fragen, denen ich von 2009 bis 2011 nachging. Manchmal auch zum Leidwesen der Treffen-Veranstalter.

Offizieller Auftakt des WGT war 2009 der Freitag, 29. Mai, mit seinen ersten Konzerten, doch es ging wie immer schon am Donnerstag los – mit der inoffiziellen Auftaktparty in den Gewölben der ausgegrabenen Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert – der Moritzbastei. Ab 21:00 Uhr sorgte all bekannte Konservenmusik für Einstimmung auf ein Konzertmarathon bis zum Pfinstmontag.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: