Orientalische Weisen: Current 93 lässt es mit „Honeysuckle Aeon“ ruhig angehen

Sein Markenzeichen ist seine sich überschlagene Stimme. Seit dreißig Jahren ist David Tibet für unkonventionelle Klänge in der internationalen Musikszene zuständig. Anfangs krachig, wird der Sänger mit Current 93 im Alter zunehmend lyrischer. Sein neuestes Werk: „Honeysuckle Aeon“.

Tibets musikalischer Stil ändert sich mit jeder Besetzung. Eine feste Stammband gibt es nicht. Zuletzt brachte er seine Anhänger mit der psychedelischen Trilogy über „Aleph“ ins Schwärmen, hatte einige Live-Auftritte in den vergangenen Jahren in Deutschland absolviert – darunter auch auf dem Leipziger Wave Gotik Treffen 2009. Damals hatte er eine singende Säge nicht mit dabei, die nun in seinem neuesten Werk anzuklingen scheint. „Honeysuckle Aeon“ hat Tibet sein Album genannt, ein rätselhafter Titel wie immer.

Vielleicht erzählt Tibet zu orientalischen Klängen, psychedelischen Tönen und ge-orgelten Noten über eine Zeit, in der Milch und Honig fließen – das Paradies. Das 38-minütige Werk ist für David Tibet ein vollwertiges Album, wie er am 11. März via Ferngespräch nach England bestätigte. Die größtenteils nachdenklichen Songs fließen ruhig und dunkel, fast bedrohlich und kammerspielhaft aus den Boxen. Rückgriffe auf frühere Werke sind anscheinend immer vorhanden, was David Tibet aber nicht so verstanden haben möchte. Titel wie „Moon“ könnten ebenso gut auf Alben wie „How I Devoured The Apocalypse Balloon“ stehen. „Pomegranate“ greift scheinbar auf frühere Textzeilen aus der „Aleph“-Phase zurück, die wiederum einige Parallelen mit dem „Imperium“-Album aufweisen – genauso auch das Wort „Honeysuckle“, das im Stück „Baalstorm! Baalstorm!“ 2010 schon auftauchte. „Cuckoo“ scheint ein wenig die orientalisch-apokalyptische Stimmung aus „Baalstorm – Sing Omega“ aufzugreifen.

Zurück bleiben religiös gefärbte Lieder, die eindrucksvoll darstellen, wie wandlungsfähig Current 93 sind. Wesentlich in sich gekehrter, weniger hektisch. Mit neuer Besetzung aus alten und neuen Gesichtern hat David Tibet wieder ein stimmungsvolles Werk geschaffen, auf das wohl bald wieder ein weiteres folgen wird. Tibet gehört nicht umsonst zu den kreativsten Köpfen der „schwarzen Szene“.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s