Widderstoß mit Ram: Oder warum Retro einem Irrtum unterliegt

Wer die heutige Metalszene durchmarschiert, dem fällt auf, dass wieder Kutten und Hymnen angesagt sind. Junge Hüpfer, Geburtsjahre 1988 bis 1992 tauchen auf. Sie eint die Begeisterung für den alten Stoff aus den Siebzigern und Achtzigern. Damals gehörte die Gibson Les Paul zum guten Ton. Scott Gorham und Gary Moore von Thin Lizzy, Dave Murray und Adrian Smith von Iron Maiden favorisieren die elektrische Sechsaitige mit dem bluesigen Klang noch heute. Außer der selige Gary Moore, der viel zu früh von der Welt ging. Wie ist es mit der Newcomerband „Ram“, die 2011 mit „Death“ ein angeblich eindrucksvolles Drittwerk veröffentlichten?

Die fünf Schweden machen ein Geheimnis aus sich und ihrem Handwerk. Lediglich eine „Facebook“-, eine „Myspace“- und eine „Metal Blade“-Seite informieren über die 1999 in Göteburg gegründete Retro-Gang, die sich ganz und gar den Achtzigern verschrieb. Equipment und Können gehören irgendwie zusammen. Was hört man auf Rams hochgelobten „Death“?

Von Iron Maiden abgekupferte Klischee-Nullachtfuffzehn-Galopp-Riffs und einen Schreihals ohne Stimme hört man hier. Textlich ist es auch nicht besser. Was ist nur los mit den heutigen Musikern? Nur aufgesetzte Kopien und Echos längst verblichener Zeiten? Es scheint so. Der sterile Klang von Rams Drittwerk „Death“ und die notorisch eingesetzte Vierviertel-Pauke tun ihr übriges, um aus einem versprochenen Hörgenuss eine Qual zu machen. Wo ist der Blues, wo die Geschichten von der Straße, wo das handwerkliche Können der heutigen Musiker, die den alten Heroen nacheifern wollen – aber nicht können.

Das Unvermögen von – zum Beispiel – Ram, ordentliche Songs zu schreiben, könnte stellvertretend auch für handwerkliche Angsthasen wie die von Grand Magus stehen, die allerorten als Gralsbringer der Heavy-Metal-Wiedergeburt gefeiert werden. Um Gottes Willen! Wo haben Kritiker wie Götz Kühnemund ihre Ohren angeheftet? Am Allerwertesten? Sitzen sie drauf? Hört mal hin wie wenig Esprit in einem Ram-Titel wie „I Am The End“ steckt! Da sprüht jede Note eines noch so langweiligen Priest-Songs wie „Heading Out To The Highway“ vor Klasse! Jeder Mercyful-Fate-Song besitzt mehr Feuer als das nach Metal-Lego nachgebaute Album, das nicht einmal seinen Namen gerecht wird – „Death“. Wohl eher „Deaf“. Da höre ich mir lieber die ollen Klassiker von Thin Lizzy, Gary Moore, Iron Maiden, Led Zeppelin, Rolling Stones & Co. an. Denn heutige Retro-Bands wie Ram unterliegen einem gewaltigen Irrtum – nicht das Nachäffen ist entscheidend, sondern das Feeling. Und das haben die Wenigsten heutzutage.

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