Industriemusik: Die Angstfabrik produziert wieder Hammerschläge

War das ein Konzert! 1995. Prag. Ozzy Osbourne. Meine Freunde und ich versackten gerade im „U Fleku“ und verkosteten ein Bier nach dem anderen. Da fiel uns ein, dass doch bald das Konzert von Ozzy Osbourne beginnt. Der Madman trat an zwei Abenden in der Prager Eissporthalle auf. Rund 20.000 Menschen zog das Event aus Ost- und Südosteuropa sowie den deutschsprachigen Ländern an. Auch uns. Mein Begleiter rümpfte die Nase – „Fear Factory? Kommerz!“

Alter! Airplay bei MTV und VIVA heißt nicht, dass Musik gleich kommerziell ist! Hör es dir an! Fear Factory ist nicht Poison oder Cinderella! Klar, Musikvideos machten in den Neunzigern Metal einer breiten Masse zugänglich. Fear Factory war der Konsens zwischen den Geschmäckern, nicht Fisch noch Fleisch. Aber die Band tauchte zu einer Zeit auf als Die Krupps Metal mit ihrem Industrial-Sound vermischten. Ministry tat das auch. Selbst Front 242 wagte sich ins metallische Terrain vor. Sogar die Altenessener Thrasher von Kreator tauchten ihren Sound in das Industriebad.

Die Mannen von Fear Factory gaben ihrem Stoff noch eine Prise Melodie hinzu. Die kam vom Sänger Burton C. Bell, der mit seinem hymnischen Gesang die Dampframmen erst zu Songs veredelte. Und da stand die Band vor 10.000 Leuten in der Prager Eissporthalle, die Klänge von „Self-Bias Resitor“ wummerten in die Halle, die Fans schrieen auf, MTV-Metalqueen Vanessa Warwick wackelte mit ihrem Arsch beim Vorbeilaufen in Richtung Kamerateam. Daran erinnert mich „The Industrialist“ mit jeder Note. Auch dass wir zu den Klängen von Fear Factory beinahe im Backstage von Ozzy Osbourne gelandet wären. Da röhrten The Beatles ihre Lieder aus einem kleinen Recorder.

„The Industrialist“ knüpft an jene Glanztaten an, die Kenner der Angstfabrik auf wenige Alben beschränken – insbesondere „Demanufacture“ wird bei ihnen erhöht. Zu Recht! Wie auf dem Zweitwerk regiert auf „The Industrialist“ die miteinander verbundene Mischung aus aggressiver Härte und Kälte, sowie aus einem Feuer, der Metall zum Schmelzen bringt. Dazu kommen die aus Burton C. Bells Kehle gesungenen Melodien, die Lieder wie „Recharger“, „New Messiah“, „The Industrialist“ und viele weitere zu waschechten „Hits“ machen.

„The Industrialist“ ist klar und düster. Das achte Studioalbum ist der gebürtige Nachfolger von „Demanufacture“, weil es genau die selbe beängstigende Endzeitstimmung transportiert. Dass hinter dem erneut von Rhys Fulber produzierten Studiowerk ein Konzept steht wird so schnell nicht klar. Der Musik hat es jedenfalls nicht geschadet. Zugreifen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s