Tragisches Idol: Paradise Lost verbreitet miese Laune

Was war das für ein Konzert – 1994 im Haus Auensee! Paradise Lost trat mit Crowbar auf. Das damals frisch gebackene Werk „Icon“ klang auch wie eine Ikone und feierte dementsprechend erfolgreich seinen Bühneneinstand. 2009 schlurften die Briten ins Leipziger Conne Island – am selben Tag als 1993 ihre Landeskollegen von My Dying Bride erste Erfolge feierten. Am 12. November.

Eigentlich ein Schicksalstag so gesehen. Stand My Dying Bride in dem alten Eiskeller im Leipziger Stadtteil Connewitz am Anfang ihrer Laufbahn, vergrößerte ihren Radius auf Festivals und große Einzelkonzerte, so wuchs der Stern von Paradise Lost schneller, sank wenig später unerbittlich in den Fluten von Belanglosigkeit und Schulterzucken. Die 1989 gegründete Band fand mit „Requiem“ und „Faith Divides Us“ zurück zu ihrer Mitte und konnte die alten Fans zurück holen und bei Stange halten. Der Weg setzt sich logischerweise mit „Tragic Idol“ fort. Denn das 13. Studioalbum setzt dort an, wo Nick Holmes, Gregor Macintosh & Co. mit dem 2009 erschienenen Vorgänger „Faith Divides Us“ aufhörten – Härte und Melodie miteinander zu einer Einheit zu verschmelzen.

Deswegen überrascht „Tragic Idol“ nicht sonderlich, sondern fordert lediglich ein zustimmendes Kopfnicken. Mit dem wiedergefundenen Sound von Überwerken wie „Shades Of God“, „Icon“ und „Draconian Times“ kann die Truppe aus Halifax nicht viel falsch machen. Hat sie auch unlängst ihren kommerziellen Durchbruch von „Draconian Times“ 1995 mit Konzert und Live-Mitschnitt standesgemäß begangen, obwohl viele Fans „Shades Of God“, „Gothic“ und „Icon“ dem vorziehen würden. Dafür erinnern viele Elemente dieser Alben im aktuellen Studiowerk, das erneut von Jens Bogren klanglich geschliffen wurde. Songs wie „Fear Of Impending Hell“ und „Honesty In Death“ atmen förmlich die Atmosphäre von „Icon“.

Somit kann „Tragic Idol“ nicht auf der Verliererseite stehen. Denn wie früher verbreiten die neuen Lieder eine bedrückende Stimmung. Vielleicht schlägt sich die miese Laune auch auf ihren Konzerten nieder, wenn Nick Holmes nicht genug Haferbrei zum Abendbrot hatte. Zu hoffen wäre es.

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