Mitten in die Gedärme: Six Feet Under mit neuem Röchelzeichen

Die Untoten sind wieder zurück! Wenn es neben Cannibal Corpse und Autopsy eine Band gibt, die Death Metal noch so verkörpert wie man ihn vor 25 Jahren zum ersten Mal kennenlernte, dann ist man bei Six Feet Under an der richtigen Stelle. Die Mitte der neunziger Jahre von ex-Cannibal-Corpse-Frontmann Chris Barnes ins Leben gerufene Leichenfledderer-Gang ist noch immer da. „Undead“ heißt ihr neues Lebenszeichen.

Six Feet Under braucht nicht mehr als 30 Minuten, um zu beschreiben wie Blutige Hände in „Blood on my hands“ einen „Delayed combustion device“ verübten und nahe am „Near death experience“ vorbei schlitterten. Am Ende werden die Opfer allesamt vermisst („Missing victims“) und der Zuhörer ist „Frozen at the moment of death“. Jawohl! Eingefroren, starr vor Schreck und nicht zu etwas besserem zu gebrauchen als für eine Kühltasche.

„Undead“ streicht die Gedärme ganz dick an die Zimmerwände eines Teenager-Domizils. Das soll heißen, dass Six Feet Under einen zweiten Frühling erlebt. Der sieht zwar etwas anders aus als man in gemeinhin sich vorstellt. Aber die Frischzellenkur durch einen neuen Besetzungswechsel tat der Band offenbar gut. Das sonst immer stark gedrosselte Tempo wurde angezogen, der matschige Schlurf-Zombie-Groove bei der Gitarrenfraktion wich griffigen Riffs. So klingt alles als ob Chris Barnes an seinen Dread-Zotteln sich und seine Band aus dem Schlamm zog, ebenjenen abspülten und als richtig gute Death Metal-Band in Erscheinung tritt, die für sogar etwas wie Anspruch übrig hat.

Natürlich wird bei Six Feet Under wie immer gestorben. Chris Barnes‘ Lieblingsthema schon bei Cannibal Corpse. Wie damals röchelt, faucht und grunzt der Mann seine Texte gekonnt auf den Rhythmusteppich als wäre das Horrorgenre plötzlich komplett in Noten umgewandelt worden. Na dann gute Nacht! Bei dem Soundtrack kann man sicher nicht gut einschlafen – und das ist auch gut so! Oder wie heißt es so schön? Totgesagte leben länger. Im Fall von Six Feet Under scheint der Spruch das Lebensmotto Nummer Eins geworden zu sein. Ein Widerspruch bei den elf Todeshymnen, aber Death-Metal-Fans sind ja bekannt für ihren skurrilen Humor.

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